Suspected Death of a Minor


Originaltitel:
Morte sospetta di una minorenne
Alternativtitel:
The Suspicious Death of a Minor
Jahr:
1975
Eingetragen:
05.01.2013
IMDB-Wertung:
6,7/10

Tonfall und Stimmung sind in jedem erzählenden Werk von zentraler Bedeutung. Gerade bei eher passiv ausgelegten Medien wie Filmen, mit denen man sich berieseln lassen möchte, ohne groß nachzudenken, ist es immer anzuraten, die Dinge, wenn man nicht einen sehr guten Grund hat, einfach zu halten. Entweder Spannung oder Komödie. Entweder Splatter-Horror oder dialoglastiges Gesellschaftsdrama. Da wissen die Zuschauer dann sofort, was sie denken sollen und wie sie das Gesehene zu interpretieren haben. Zweifellos halten sich gerade einige der größten filmischen Meisterwerke nicht an diese Regeln – doch wenn ein solches Experiment schief geht, wie in den meisten Fällen, hat man es sich selbst zuzuschreiben!

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Der Zuhälter (Franco Alpestre) nimmt eine seiner minderjährigen Angestellten (Barbara Magnolfi) als Geisel

So muss Regisseur Sergio Martino den Kopf hinhalten für Death of a Minor. Einerseits erzählt er eine Geschichte, die dem, womit er sich in den vorigen Jahren einen Namen erarbeitet hatte, gar nicht so unähnlich ist: Ein Mörder mit verspiegelter Sonnenbrille (Roberto Posse) erledigt Marisa (Patrizia Castaldi), die kurz zuvor mit dem undercover wegen des Falls eines entführten Kindes ermittelnden Polizeiinspektor Paolo Germi (Claudio Cassdinelli) Kontakt aufgenommen hatte. Germi stößt auf ein kriminelles Wespennest, das neben Kindesentführung auch Drogenhandel, Prostitution und Mädchenhandel umfasst.

Also genau die richtigen Themen für komödiantische Einlagen, was? Das dachte sich zumindest wohl Martino, als er Germi einen „witzigen“ Taschendieb (Adolo Caruso) als Sidekick gab, als er das Duell zwischen Germi und dem Killer auf der Achterbahn drehte (an sich ja keine schlechte Idee, aber warum bewusst unernst?) oder als „Running Gag“ wiederholt Germis Brille zerspringen ließ. Als Zuschauer kann man das nicht einordnen, da die „Welten“ (Lachen und Weinen) keinesfalls klar getrennt sind: Der Auftritt des Taschendiebs in einer Szene bedeutet beispielsweise keineswegs, dass nun mal kurz keine Gefahr für Leib und Leben bestünde.

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Germi befragt eine Zeugin (Jenny Tamburi) im Kino; zur Tarnung (?) soll sein Kompagnon währenddessen an ihr herumfummeln

Dazu gesellen sich diverse erzählerische Schwächen. Wieso werden die Zuschauer den halben Film lang im Dunkeln gelassen über Germis Identität? Vor der langen expositorischen Szene in der Mitte muss man davon ausgehen, dass er einfach irgendein beliebiger Typ ist, der während ihrer Flucht vor dem Killer zufällig auf Marisa getroffen ist. Warum er dann irgendwelche Ermittlungen anstellt – unklar. Wie Germi überhaupt auf die Zusammenhänge zwischen dem Entführungsfall und dem Rotlichtmilieu, in dem er primär ermittelt, kommt, bleibt ebenfalls im Dunkeln. Alles in Allem also ein verwirrendes, da unentschlossenes und unausgegorenes Machwerk.

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