Blutiger Zahltag

Poster
Originaltitel:
La ragazza dal pigiama giallo
Alternativtitel:
The Pyjama Girl Case, Ein Mann gegen die Mafia
Jahr:
1977
Eingetragen:
07.01.2013
IMDB-Wertung:
6,1/10
TMDB-Wertung:
6,5/10


Hannes schreibt:

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Bildkomposition gehört zu den Stärken des Films
Am Strand wird die bis zur Unkenntlichkeit verbrannte Leiche einer Frau im gelben Pyjama in einem Autowrack gefunden. Anscheinend wurde die Frau erschossen und auch noch ihr Schädel eingeschlagen. Die Polizei (Ramiro Oliveros, Rod Mullinar) schießt sich schnell auf den verschrobenen Eigenbrödler Quint (Giacomo Assandri) als Hauptverdächtigen ein. Der sich eigentlich längst im Ruhestand befindliche Inspektor Thompson (Ray Milland) sieht jedoch Anhaltspunkte, dass da mehr hinterstecken muss, und stellt eigene Nachforschungen an.

Währenddessen wird parallel die Geschichte der Kellnerin Linda (Dalila Di Lazzaro) erzählt. Deren Sinnsuche im Leben führte sie in Affären mit dem hochdotierten Arzt Professor Henry Douglas (Mel Ferrer), dem attraktiven Fabrikarbeiter Roy Conner (Howard Ross) sowie dem schüchternen Italiener Antonio Attolini (Michele Placido). Letzteren heiratet sie sogar, doch die Ehe erfüllt sie nicht genug, ihre anderen Liebhaber sausen zu lassen. Aufgrund von Antonios Jähzorn kommt es schließlich zum Eklat.

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Antonio und Linda haben einiges zu bereden
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Was folgt, ist unschön anzugucken (positiv gemeint)
Wie die beiden Geschichten zusammenhängen, wird wohl nicht mehr als so großes Geheimnis angesehen (siehe manche DVD-Cover): parallele Erzählung impliziert nicht immer, dass man sich auch auf der gleichen Zeitebene befindet. Der Kriminalfall wird also nur als Anlass verwendet, das persönliche Schicksal Lindas schmackhaft aufzubereiten, seine Untersuchung tritt mit steigender Laufzeit immer mehr in den Hintergrund.

Es handelt sich also eher um ein Drama, als einen Krimi, und es ist noch nicht mal unsensibel geraten. Linda ist ein Charakter, der durchaus zur Identifikation oder zumindest Empathie einlädt: Sie will mehr vom Leben, hat aber kein Konzept, selbstständig dazu zu kommen; insbesondere, weil sie noch nicht einmal weiß, was dieses „Mehr“ denn überhaupt konkret sein könnte. Als sie gegen Ende erkennen muss, dass selbst „Gentleman“ Douglas sie charmant aber bestimmt aufs Abstellgleis schieben möchte, folgen einige durchaus starke Szenen. So beispielsweise diejenige, die ihre dann auch offiziell bezahlten Dienstleistungen an zwei Mexikanern zeigt, in der man den Ekel und die Erbärmlichkeit als Zuschauer förmlich spüren kann.

Davor muss man jedoch im Mittelteil, als der Fokus der Erzählung erst langsam auf Lindas Schicksal umschwenkt, eine gewisse Durststrecke durchstehen: In den Ermittlungen Thompsons ergeben sich noch keine entscheidenden (für die Zuschauer sichtbaren) Erkenntnisse, Lindas Geschichte wird dagegen immer noch nur sehr schlaglichtartig beleuchtet, so dass man einige gedankliche Sprünge vollführen muss. Und das dann auch noch unterlegt von dem typisch unerträglichen Gebrummel („Gesang“ wäre zu hoch gegriffen) Amanda Lears!

Bemerkung am Rande: Mit der Mafia hat der Film rein gar nichts zu tun!

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