Death Walks on High Heels


Originaltitel:
La morte cammina con i tacchi alti
Jahr:
1971
Eingetragen:
22.01.2013
Bearbeitet:
13.08.2018
IMDB-Wertung:
6,5/10

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Die Beziehung zwischen Nicole und Robert ist eher asymmetrisch
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Der Mörder beobachtet seine Opfer genau
Kurz nachdem eine Menge Diamanten spektakulär entwendet wurde, wird der berüchtigte französische Juwelendieb Rochard im Zug in Richtung Schweiz ermordet. Kein Zufall, denkt die Polizei, und befragt dessen Tochter Nicole (Nieves Navarro). Die weist jegliches Wissen über den Verbleib der Edelsteine von sich; doch nicht nur die Polizei hält Nicole für die logische diesbezügliche Ansprechpartnerin: Ein anonymer Anrufer mit elektronisch verzerrter Stimme verlangt ebenfalls drohend Auskunft.

Als jener Mann sie dann sogar in ihrer Wohnung überfällt und bedroht, hat Nicole genug. Sie hat ihren dubiosen Liebhaber Michel (Simón Andreu) in Verdacht, in dessen Badezimmer sie stahlblaue Kontaktlinsen gefunden hat – ebensolche, wie der Angreifer trug. Da trifft es sich gut, dass sie sich im Rahmen ihrer Tätigkeit als Stripperin gerade einen älteren Verehrer angelacht hat: Dr. Robert Matthews (Frank Wolff) nimmt sie nur allzu gerne mit nach London, wo er sie weiter mit Geschenken überschüttet.

Doch die Vergangenheit holt Nicole ein, als Robert sie auf seinen Landsitz mitnimmt. Michel hat die beiden ebenso wie Roberts Frau Vanessa (Claudie Lange) aufgespührt. Wieder fühlt sich Nicole verfolgt und nach einem Attentat auf Robert, der die Schusswunde jedoch angeschlagen überlebt, wird tatsächlich Nicoles Leiche aus dem Meer gefischt. Als ob es nicht bereits genug Verdächtige und Motive gäbe, geht das Töten jedoch weiter…

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Michel macht sich Vanessa gegenüber verdächtig
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Die Polizei versucht den Fall experimentell zu lösen
Klassisch-starker Anfang, aber dann verliert der Film leider mit der Umsiedlung nach England erstmal seinen Fokus. Was das alles überhaupt noch mit dem Juwelendiebstahl, der überhaupt nicht mehr thematisiert wird, zu tun haben soll, bleibt ziemlich im Dunkeln. Und als man sich dann im letzten Akt wieder darauf besinnt, ist die Auflösung dermaßen verworren und kompliziert, dass man nur den Kopf schütteln kann. Da werden plötzlich Verbindungen zwischen Figuren konstruiert, die etwas zu weit gehen, um auch nur ansatzweise noch glaubwürdig zu sein.

Zwischendurch soll primär Luciano Rossi in seiner üblichen Rolle als einarmiger Spanner die Verdachtsmomente auf sich ziehen. Doch so blöd sind die Zuschauer ja wohl wirklich nicht: Dass er für die Drohungen und Überfälle in Frankreich verantwortlich sein soll, wäre viel zu weit hergeholt, als dass man ihn als Verdächtigen ernst nehmen könnte. Ähnlich sinnlos die Charakterisierungsversuche im zweiten Akt: Besonderen Wert wird beispielsweise auf Roberts Stiefelfetisch gelegt – doch eine Funktion bekommt das, wie überhaupt das meiste in dieser Phase Erzählte, nie.

Am Irritierendsten jedoch die beiden zentralen Frauenrollen. Nicole und Vanessa sind nicht nur vom generell gleichen Typ, sondern sie sehen beinahe exakt gleich aus! Wenn man sowas macht, dann muss das doch irgendeine handlungstechnische Funktion bekommen – aber man wartet und wartet und wartet… nichts! Obwohl es doch handlungstechnisch bestens ausschlachtbar gewesen wäre – von „Geliebte nimmt die Rolle der ermordeten Ehefrau ein“ bis hin zur simplen Aussage über Roberts Vorlieben – wird es noch nicht einmal von den Figuren selbst in irgendeiner Weise thematisiert: Man muss wohl davon ausgehen, dass die Ähnlichkeit laut Drehbuch gar nicht vorgesehen war. Äußerst ungeschickt.

Alles in Allem bleibt durch die gelungene Inszenierung der genreerfahrenden Darsteller für den Freund italienischer Krimis trotzdem ein vorsichtig positiver Gesamteindruck haften. Nicht in dem Maße, den Film wiederholt sehen zu wollen, aber immerhin ihn unter „ganz in Ordnung“ ohne spezifische Belegeindrücke im Gedächtnis abzulegen.

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