Death Walks at Midnight


Originaltitel:
La morte accarezza a mezzanotte
Jahr:
1972
Eingetragen:
03.02.2013
IMDB-Wertung:
6,3/10

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Bereit zum „wissenschaftlichen“ Experiment
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Mord gespiegelt in der Brille: Hitchcock lässt grüßen!
Die Erzählgeschwindigkeit eines Films ist schon wichtig. Fallbeispiel: Death Walks at Midnight. Gleich in der allerersten Szene, bevor überhaupt die Figuren und ihre Beziehungen zueinander eingeführt wurden, steckt man schon tief in dem zentralen Aufhänger der gesamten folgenden Handlung: Fotomodell Valentina (Nieves Navarro) lässt sich eine experimentelle Droge spritzen, damit Fotograph Gio (Simón Andreu) die Sache bildliche festhalten und zu einem sensationsheischenden Artikel verarbeiten kann. Das funktioniert besser als erhofft, denn Valentina hat während ihres Trips eine Vision davon, wie ein Mann mit auffälliger Sonnenbrille (Claudio Pellegrini) eine Frau brutal mit einem eisernen Handschuh zu Tode prügelt. Sowas wollen die sensationsgeilen Leser natürlich lesen!

Doch für Valentina war es wohl alles ein bisschen zu viel, denn nun glaubt sie, den Mann wirklich immer wieder zu sehen, fühlt sich von ihm verfolgt und bedroht. Ihr Freund Stefano (Pietro Martellanza) hält das ebenso wie die Polizei (Carlo Gentili) für Blödsinn, es sei nur eine Nachwirkung der Drogen. Gio findet dagegen heraus, dass es vor sechs Monaten tatsächlich einen solchen Mord gegeben habe; eventuell sei Valentina Zeuge dieses Verbrechens geworden und habe die Erinnerung nur unterdrückt. Der verurteilte Mörder sitzt jedoch bereits in Haft und er hat keine Ähnlichkeit mit dem Mann aus Valentinas rauschinduzierter Erinnerung; ebensowenig das Mordopfer. Was steckt dahinter?

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Bei der Polizei hat Valentina keine Chance
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Da ist der Mörder! Aber Stefano hat ihn natürlich mal wieder nicht gesehen…
Bis die Zuschauer das herauskriegen, vergehen nach der bereits wendungsreichen und zugegeben aufregenden Exposition noch gut 85 Minuten. Und daran zeigt sich das Problem, das Death Walks at Midnight mit seiner Erzählgeschwindigkeit hat: Nach furiosem Anfang erlahmt der Film völlig! Mit Fabrizio Moresco, Luciano Rossi und Ivano Staccioli werden weitere düster dreinblickende Typen eingeführt, aber als primär Verdächtige taugen sie allesamt nichts, da man den Mörder ja optisch bereits kennt. Selbst, als die Identität dieses Mannes mit der Sonnenbrille geklärt wird, lässt einen das völlig kalt, da man mit dieser genannten Identität nichts verbindet. Man tritt dermaßen auf der Stelle, dass das Interesse langsam schwindet und wenn dann die Auflösung in den letzten fünf Minuten komprimiert kommt, prasseln dermaßen viele Informationen auf ein Schlag auf einen ein, wie man es schon gar nicht mehr aufnehmen kann in dieser Form.

Wie hätte man das besser machen können? Erstmal müsste die Handlungsdichte in etwa durchgehend gleich bleiben. Am Anfang und am Ende darf die Kurve ruhig jeweils etwas ansteigen, aber nicht zu sehr und zwischendurch darf sie eben nicht auf Null fallen. Der Zustand „Protagonistin“ sieht und erlebt Dinge, die ihr keiner glaubt“ dauert einfach unverändert viel zu lange an. Da hätte man immer mal wieder neue Informationen für die Zuschauer fallenlassen müssen. So erzählt hätte die höchst verwickelte Geschichte vielleicht sogar verständlich werden können; in die verdichteten Form ganz am Ende ist sie nicht nachvollziehbar. Und dann dehnt man, wenn man denn schon so wenig Inhalt hat, einen Film auch idealerweise nicht auf insgesamt über 100 Minuten aus!

Das ist schon schade, denn an sich ist der Handlungsaufhänger (der Mörder) einprägsam und der Handlungsinhalt (Unbeteiligte Zeugin in Gefahr) bewährt. Umgesetzt ist alles mit genrebekannten Darstellern und die Szenengestaltung ist erzähltechnisch wie auch optisch-ästetisch von guter Qualität. Hätte richtig hochklassig werden können, wäre da nicht das vergurkte Erzähltemp…

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