Das Haus der lachenden Fenster


Originaltitel:
La casa dalle finestre che ridono
Alternativtitel:
The House with Laughing Windows
Jahr:
1976
Eingetragen:
24.02.2013
IMDB-Wertung:
7,1/10

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Stefano bei der Arbeit
Weder Messias des Bösen, noch The Wicker Man waren große Produktionen mit besonderem kommerziellen Erfolg. Künstlerisch sah das dagegen schon anders aus. Grund genug, nochmal einen Ableger des Themas zu produzieren. Das Haus der lachenden Fenster befindet sich selbstverständlich in einem abgelegenen Provinzkaff, sogar auf einer schwer zu erreichbaren Insel. Hierhin verschlägt es Stefano (Lino Capolicchio), der dort ein Fresko in der Kirche restaurieren soll.

Der Künstler, ein gewisser Legnani (Tonino Corazzari), war bereits vor einiger Zeit verstorben. Um ihn rankt sich Dorfklatsch, den man beinahe schon als Legenden bezeichnen kann. Geisteskrank sei er gewesen seitdem er mit seinen beiden Schwestern aus Brasilien zurückgekehrt sei, wo ihre Mutter verstorben war. Bevorzugt habe er Menschen auf dem Totenbett porträtiert. Mit den Toten habe er dadurch kommunizieren wollen. Entsprechend makaber stellt sich auch das Fresko dar, das die Ermordung eines Heiligen zeigt; doch in katholischer Tradition scheint der örtliche Priester (Eugene Walter) nichts dabei zu finden.

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Wer wohl den Scheinwerfer in dem Schlafzimmer angebracht hat?
Schon bald erreichen Stefano Drohanrufe, die ihm nahelegen, die Insel bloß schnell wieder zu verlassen. Sein alter Freund Antonio (Giulio Pizzirani), der hier naturwissenschaftliche Studien treibt, hat auch so einiges zu erzählen, er erwähnt ein Haus mit seltsamen Fenstern, die zu lachen scheinen. Er scheint auf ein düsteres Geheimnis des Dorfes gestoßen zu sein, doch immer, wenn er die Geschichte erzählen will, kommen „zufällig“ andere Dinge dazwischen. Bis er schließlich sogar aus dem Fenster geworfen wird – was der Polizeichef (Ferdinando Orlandi) als offensichtlichen Selbstmord abtut. So bleibt Stefano als einzige „Verbündete“ gegen den Wall des Schweigens der Dorfbewohner nur noch die ebenfalls erst frisch angekommene Lehrerin Francesca (Francesca Marciano).

Wie an den genannten Vorbildern zu erahnen, steckt natürlich ein aus dem Ausland eingeschleppter, mörderischer Kult dahinter, dem Stefano durch seine Nachforschungen zu Nahe zu kommen scheint. Doch das Interessante daran ist gar nicht mal direkt dieses paranoide Thema (das aber immerhin für einige Spannung sorgt), sondern die Frage, wie eigentlich die einzelnen Einwohner des Dorfes dazu stehen. Ganz so homogen ist ihre Gruppe nämlich gar nicht; die meisten schweigen nur aus persönlicher Feigheit oder anderen Motiven, die gar nichts mit Jüngertum dieses Kults zu tun haben. Hier wird die Geschichte im allegorischen Sinne bitterst realistisch.

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Im Stadtarchiv ist man nicht hilfreich
Die unheimliche Athmosphäre wird dagegen primär durch wiederkehrende Motive und verstörende Bilder, wie die immer wieder an unpassender Stelle auftauchenden Blumensträuße, der gelähmten Frau im Bett (Pina Borione) und dem überall vorherrschenden baulichen Verfall geprägt. Manche Kulissen und Kostüme wirken gar wie aus der Vergangenheit, was nur nochmal unterstreicht, wie der Protagonist hier in einer anderen Welt gefangen ist.

Dass das ganze Böse enden muss, versteht sich von selbst. Auf welche Weise es das tut, ist allerdings trotzdem überraschend. Und nicht zuletzt lässt die Schlussszene trotz düsterer Resignation und Verzweiflung noch einen gewissen Interpretationsspielraum offen. Solche Bilder bleiben beim Zuschauer haften, selbst wenn nicht alles Unerklärliche erklärt wird.

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