The Lady of the Lake


Originaltitel:
La donna del lago
Alternativtitel:
The Possessed
Jahr:
1965
Eingetragen:
24.02.2013
Bearbeitet:
30.01.2016
IMDB-Wertung:
7/10

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Bernard bleiben von Tilde nur Fotos
Üblicherweise ist der Protagonist einer Geschichte der handlungstechnische Katalysator: Erst durch sein Auftauchen geschieht, was geschehen muss, seine Hand ist für den Fortgang der Dinge entscheidend. Doch dann gibt es Geschichten wie diese, in denen der formelle Protagonist nur zugucken kann, wie um ihn herum unerklärliche Dinge geschehen, die er zu beeinflussen (geschweige denn zu verhindern) nicht im Stande ist.

Eben diese Rolle nimmt der Schriftsteller Bernard (Peter Baldwin) ein. Außerhalb jeglicher Saison mietet er sich in einem Hotel in einem Ferienort ein. Hier ist er gut bekannt, der Hotelier und Dorfpatriarch Enrico (Salvo Randone) freut sich über jeden Gast. Bernards eigentliches Ziel, auch wenn er es sich selbst noch nicht ganz eingestehen möchte, ist es, das Zimmermädchen Tilde (Virna Lisi), das er bei seinem letzten Aufenthalt hier kennengelernt hat, wiederzusehen. Doch als er sich endlich durchringt, nach ihr zu fragen, ereilt ihn ein Schock: Tilde habe im letzten Winter Selbstmord begangen.

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Bernard kann es nicht fassen und in Fotograph Francesco (Pier Giovanni Anchisi) findet er einen Gesprächspartner, der sogar noch weiter geht: Tilde sei sicherlich ermordet worden, wahrscheinlich im Zusammenhang mit ihrer ungeplanten und geheimgehaltenen Schwangerschaft. Eventuell stecke sogar Enrico selbst dahinter. Das ist wiederum für Bernard schwer zu glauben, denn er hatte im letzten Jahr Tilde mit einem viel jüngeren Mann beobachtet.

Noch stärker auf die Familie Enrico (ebenso wie „Bernard“ ist dies als Nachname gemeint) spitzt sich die allgemeine Aufmerksamkeit zu, als Sohn Mario (Philippe Leroy) unerwartet und vorzeitig von seiner Hochzeitsreise zurückkehrt. Seine Frau Adriana (Pia Lindström) wandelt wie in Trance jede Nacht zum See; tagsüber verlässt sie das Haus dagegen niemals, sie verweigert die Nahrungsaufnahme und wirkt auch sonst schlecht zu Wege. Ohne größeren Anlass versucht sie jedoch Bernard im Geheimen Nachrichten zukommen zu lassen. Zur Kommunikation kommt es jedoch nicht mehr: Bald wird sie tot im See schwimmend aufgefunden. Francesco will nun, ob aus Angst oder weil er gekauft wurde, nichts mehr von der Sache wissen – was Bernard jedoch desto neugieriger macht. Was ist das Geheimnis des offensichtlichen Niedergangs der Familie Enrico und was hat Tildes Tod damit zu tun?

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Was fasziniert Adriana so sehr an dem See?
Leider (für ihn) wird auch er es nicht erfahren; er steht hilflos daneben, als die Sache zu einem bitteren Ende kommt und alle möglichen Zeugen mundtot sind. An mindestens zwei Knotenpunkten der Handlung hätte er die Chance gehabt, zum „handelnden Protagonisten“ zu werden, trifft jedoch beide Male grundlegend falsche Entscheidungen und muss sich so in die Passivität fügen. So bleiben ihm nur seine Fantasien über das, was sich hier wohl an menschlichen Tragödien abgespielt haben mag. Waren die Beteiligten, wie er denkt, Opfer ihrer eigenen Schwächen, ob es nun Habgier, Kontrollzwang oder einfach nur unbedingte Loyalität war? Das ganze wird dem Zuschauer in melancholischen Schwarz-Weiß-Bildern präsentiert. Wie durch einen unwirklichen, düsteren Traum wandelt Bernard, magnetische Anziehung scheint von dem von toten Bäumen umgebenen See auszugehen.

Wie ein Traum folgt das Geschehen jedoch einer immanenten, und, wenn auch nicht unbedingt erklärlichen, deterministischen Logik. Wie in der griechischen Tragödie bekommen am Ende alle Charaktere das, was sie „verdienen“; was heißt, dass nicht mehr viele Personen übrig sein werden. Konsequent und eben besonders tragisch, da keiner von ihnen tatsächlich unsympathisch geworden ist im Handlungsverlauf. Im Gegenteil: Selbst ihre subjektiv-herbeitheoretisierten möglichen Taten bleiben menschlich erklärbar, wenn sie auch nicht gutzuheißen sind. Das unterscheidet realistische Charakterzeichnungen wie diese von plumpen Gut-Böse-Schemata.

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