Blumen der Nacht


Originaltitel:
Flowers in the Attic
Jahr:
1987
Eingetragen:
14.03.2013
Bearbeitet:
15.03.2013
IMDB-Wertung:
5,7/10

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Die Großmutter stellt strenge Regeln auf
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Solche geschwisterlichen Kontakte gelten als „unmoralisch“
Das Internet hasst diesen Film! Zwischen „Zumutung“ und „unfreiwilliger Komik“ bewegen sich die Urteile. Da hat wohl der Romanverfilmungseffekt zugeschlagen: Beliebte Romane können praktisch niemals das Wohlwollen der Anhänger finden, denn ganz genau so, wie man es sich beim Lesen vorgestellt hatte, ist es schließlich niemals. Die Enttäuschung um die „verpassten Chancen“ werden unermesslich und schlagen in Hass um.

Verpasste Chancen haben aber auch etwas mit Potential zu tun und beides gibt es in Blumen der Nacht tatsächlich zur Genüge. Man setzt auf Einsamkeit, Isolation und Klaustrophobie, als die Geschwister Chris (Jeb Stuart Adams), Cathy (Kristy Swanson), Cory (Ben Ryan Ganger) und Carrie (Lindsay Parker) von ihrer eigenen Mutter (Victoria Tennant) auf dem düsteren Dachboden des Familiensitzes eingesperrt werden, da ihr eigener im sterben liegender Vater (Nathan Davis) nichts von der Existenz der vier wissen darf. Als die Mutter versucht, die Liebe ihres Vaters zurückzugewinnen, um so wieder in sein Testament aufgenommen zu werden, werden ihre Besuche bei den Kindern immer seltener. So sind sie immer mehr ihrer nicht nur lieb-, sondern regelrecht gnadenlosen Großmutter (Louise Fletcher) ausgeliefert, die ihre verhassten Enkel – die ihrem Moralsystem nach einer sündenhaften Beziehung entstammen – mit immer neuen Methoden quält.

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Man macht das beste aus der Situation
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Das Potential ist zwischen staubigen Zeugnissen der glorreicheren Vergangenheit der Familie und der psychologisch brutalen Realität offensichtlich. Wie die Kinder, immer mehr auf sich allein gestellt, jeglichen sozialen Kontakten beraubt und körperlich im Laufe der Wochen und Monate verfallend trotzdem ihre Loyalität der sich immer mehr entfremdenden Mutter gegenüber wahren, während sie selbst von der ihnen fremden Großmutter terrorisiert werden, ist schon ein starker Stoff.

Was die verpassten Chancen angeht, so gibt es allerdings auch diese zu Hauf. Die Figurenkonstellation mit den zwei Teenagern und den beiden kleinen Zwillingen legt mehr als deutlich eine Ersatzelternrolle für die beiden älteren Geschwister nahe, doch es wird kaum etwas diesbezüglich entwickelt. Ebenso sieht man nur wenig von den Versuchen, das beste aus der Situation zu machen und das Umfeld einigermaßen lebenswert zu gestalten sowie die sicherlich schier endlose Lebenszeit zu füllen. Überhaupt bleiben die vier Figuren, denen immerhin mehr als zwei Drittel der Zeit gehört, eher blass. Bei wirklich kleinen Kindern ist es vielleicht entschuldbar, wenn ihre Persönlichkeiten noch nicht entscheidend entwickelt sind, aber 16-18-jährigen (genau definiert wird das nie) sollte schon etwas mehr mitgegeben werden, als ein kleiner Ballerinatraum, wenn man ihre Entwicklung über immerhin ein ganzes Jahr zeigen möchte.

Die einzige sich entwickelnde Figur ist somit die der namenlosen Mutter, die jedoch ausgerechnet am wenigsten auftaucht. Das hat auch seinen Sinn, denn ihre Schwenk von der liebenden Altruistin, die sich für das Wohl ihrer Familie körperlich aufopfert, hin zur völligen Verleumdung (und sogar noch schlimmer) ihres Nachwuchses soll den Zuschauer ebenso wie den Kindern möglichst lange verborgen und vor allem schleierhaft bleiben. Die Traumata, die sie treiben, kann man höchstens erahnen.

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Etwas mehr Charakterisierung hätte ruhig sein dürfen
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Doch sie steht ja auch nicht im Zentrum der Erzählung. Die Konflikte, in denen sich die Kinder befinden, werden leider zu stark externalisiert und münden in ein paar wirklich unnötigen Szenen, die wohl spektakulär gemeint sind. Ob nun die versuchte Flucht übers Dach oder die wirklich blöde Endszene: Hier fehlt der Mut, sich auf die doch eigentlich ausreichend vorhandenen tieferen Konflikte zu verlassen.

Andererseits gibt es jedoch auch kleine Momente, die in ihrer leisen Tragik und Melancholie für Einiges entschädigen. Wenn die kleine Carrie die Papierblumen von der Wand abschneidet und mit hoher Ernsthaftigkeit verkündet, es sei nun einfach Zeit dafür, denn der Winter fange an, dann bleibt das zum Glück unkommentiert stehen und kann so beim Zuschauer emotional wirken.

Natürlich ist es immer schade, wenn das Potential die Qualität der Umsetzung allzu deutlich übersteigt. Enttäuschung ist vielleicht angebracht. Doch sein wir ehrlich: Lieber verschenktes Potential und einige guten Seiten als öden Durchschnitt, der sich nur darauf verlässt, niemandem wehzutun und bekannte Clichés abzuspulen. Und das kann man Blumen der Nacht nun wirklich nicht vorwerfen. Insofern: Dass ein Film hätte besser sein können, bedeutet nicht, dass er nicht trotzdem gut sein kann. Dies ist ein Film, den man trotz Allem gesehen haben sollte, und der seinen schlechten Ruf wirklich nicht verdient hat!

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