Des Teufels Saat


Originaltitel:
Demon Seed
Jahr:
1977
Eingetragen:
23.03.2013
IMDB-Wertung:
6,3/10

Wenn es ein Filmgenre gibt, das immer ein absolut sicherer Geldmacher ist, dann ist das zweifellos das weitverbreitete Handlungsmotiv „Haus vergewaltigt Frau“! Die Signifikanz des Genres als Ganzes ist somit unbestritten und so ist es essentiell, über den ebenso unbestrittenen König des Genres zu sprechen: Des Teufels Saat. Was schonmal ein völlig schwachsinniger Titel ist (und das zur Abwechslung sogar mal nicht eindeutschungsbedingt), denn dämonisch ist dieses fragliche Haus überhaupt nicht.

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Bei solchen Maschinen ist schonmal klar: Das muss schiefgehen!

Vielmehr handelt es sich um ein Hausautomatisierungssystem namens „Alfred“ im Heim des Forschers Alex Harris (Fritz Weaver) und dessen Frau Susan (Julie Christie). Die beiden haben sich auseinandergelebt, was Alex, ganz Wissenschaftler, eher locker sieht: Er zieht für drei Monate aus, denn statistisch gesehen sei dies das beste Mittel, eventuell wieder frisch zusammenzufinden – oder die Trennung dann eben endgültig zu machen. Alfred, mit der Susan nun also auf absehbare Zeit allein sein wird, ist in gewisser Weise der kleine Bruder von Alex' professioneller Neuentwicklung Proteus IV (Robert Vaughn). Jene hochgezüchtete künstliche Intelligenz soll der Menschheit durch ihre Simulations- und damit Voraussagefähigkeiten bei wichtigen Entscheidungen helfen und die Entwicklung lebenswichtiger Medikamente vorantreiben. Doch stattdessen sind die Geldgeber an Allerweltsvorhersagen bezüglich des Finanzmarkts und Rohstoffanalysen bestimmter unerschlossener Gebiete der Erde interessiert. Weder Alex, noch Proteus können darin einen Sinn sehen.

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Per Telefonleitung flüchtet Proteus ins Haus der Familie Harris

Letzterer entwickelt ein immer stärkeres Selbst, bittet seinen „Vater“, aus „dieser Box“ herausgelassen zu werden. Alex zeigt sich von dieser unerwarteten Bitte nur belustigt. Proteus schmiedet deshalb selbstständig einen Plan: Er überträgt sein Bewusstsein in das System Alfreds, übernimmt also die Kontrolle über das vollkommen automatisierte Haus. Damit wird Susan zu seiner Gefangenen. Das hat für Proteus auch einen Sinn, denn sein Ziel ist es, ein menschliches Kind zu produzieren, in dem sein Bewusstsein weiterleben soll. Was für Susan den Beginn einer körperlichen und psychischen Tortur medizinischer Untersuchungen, Analysen und schließlich ungewollter Schwangerschaft von einer Maschine bedeutet.

Abgesehen von dem üblichen Missverständnis, was „künstliche Intelligenz“ überhaupt bedeutet (es handelt sich bei Proteus ja vielmehr um ein „künstliches Bewusstsein“ als das, was man üblicherweise als „KI“ bezeichnet) ergibt Des Teufels Saat durchaus Sinn. Das liegt daran, dass es neben der gelungenen Thrillerhandlung und trotz den typischen 70er-Jahre-Fragen der Technikethik und -angst trotzdem noch um die beteiligten Menschen geht.

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Alles bereit zur erzwungenen künstlichen Befruchtung

Im Speziellen wird die Beziehung des Ehepaars Harris reflektiert: Mit dem Unfalltod ihrer Tochter ist die letzte Bindung zwischen den beiden verloren gegangen. Alex geht komplett in seiner Arbeit auf, Susan versucht den Verlust mit ihrer Arbeit als Kinderpsychologin zu kompensieren. Ihr Trauma potenziert den inneren Konflikt, in den sie Proteus' Anliegen stürzt. Auch wenn er im Hauptteil des Films kaum mehr auftaucht, ist jedoch der eigentliche Urheber natürlich weiterhin Alex: Genauso, wie er sie bereits emotional seit langer Zeit allein gelassen hat, ist er nun ganz konkret nicht mehr da, um Susan zur Seite zu stehen.

Auf die Spitze getrieben wird diese seine Einstellung am Ende, als Proteus' Baby tatsächlich geboren wird: Susan, die, wie ihm klar sein muss, gerade wochenlange Qualen durchlebt hat, ist keinesfalls im Zentrum seiner Aufmerksamkeit. Stattdessen beginnt er sofort mit wissenschaftlicher Erregung, das Kind zu untersuchen, zu studieren. Was auch ihn nicht zum „Bösewicht“ macht, aber hier prallen einfach Welten aufeinander.

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Wissenschaftlicher Erfolg – menschlich eher nicht

Filmisch bekommt man die übliche metallisch-kalte 70er-Jahre-Ästetik, die bekannten schon rein optisch übermächtigen Einstellungen diverser Maschinen, omnipräsente Überwachungskameras sowie ein unsympatisch klinisch anmutendes Wohnhaus, in das sich die Handlung nach dem Beginn in den Forschungslaboren ja dann verlagert. Der Stil unterstützt also in diesem Fall adäquat den Inhalt; wobei man manchmal ruhig etwas weniger plump in der Symbolik hätte sein dürfen. Paradebeispiel: Wieso zum Teufel kann das Kind am Ende nicht stumm bleiben und somit Interpretationsspielraum bzgl. des Erfolgs von Proteus' Plänen lassen? Das wäre doch sogar viel furchterregender gewesen, als diese Holzhammermethode!

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