Basic Instinct


Originaltitel:
Basic Instinct
Jahr:
1992
Eingetragen:
09.04.2013
Bearbeitet:
01.05.2013
IMDB-Wertung:
6,9/10

Viele Regisseure kommen immer im Laufe ihrer Karriere wieder auf ähnliche Themen zurück. Das mag mit persönlichem Interesse zu tun haben, andererseits jedoch natürlich auch mit Vermarktungspotential: Hat man sich in einem Genre einen guten Namen gemacht, kann und sollte man das nutzen. Doch zu viel sollte man in solche Parallelen auch nicht hineininterpretieren. So hatte Paul Verhoeven bereits zehn Jahre vor Basic Instinct mit Der vierte Mann nicht völlig unähnliches Terrain betreten, aber, und das wird immer gerne übersehen, beide Filme von völlig unterschiedlichen und unterschiedlich geprägten Autoren stammen, nur eben von der gleichen Person inszeniert wurden.

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Catherine auf dem Thron…

Die allseits bekannte Geschichte um den Sado-Maso-Eispickelmord an einem Rocksänger (Bill Cable) setzt vordergründig zweifellos auf Sex, Sex, Gewalt und noch mehr Sex. Verhoeven setzt Sharon Stone als manipulative Schriftstellerin Catherine Tramell, die aufgrund ihrer detaillierten Beschreibung eines eben solchen Mordes in ihrem aktuellen Roman zur Hauptverdächtigen wird, jedoch nicht nur physisch unzweifelhaft attraktiv, sondern durchaus einigermaßen vielschichtig in Szene.

Sie pendelt in ihren Aufeinandertreffen mit dem ermittelnden Polizisten Nick Curran (Michael Douglas) scheinbar unvorhersehbar zwischen distanzierter, völlig unemotionaler Kälte und unkontrollierbaren Ausbrüchen scheinbarer Nähe – wobei letzteres nicht nur körperlich, sondern sie versteht es eben sehr wohl auch, mit Emotionen zu spielen. All das hat jedoch jederzeit eine weitere Ebene: Ob dies ihre wahren Gefühlsregungen oder eben doch alles nur weitere Ausdrücke ihres berechnenden Wesens, Methoden, die anderen Personen zu kontrollieren und zu manipulieren, sind, bleibt zumindest einigermaßen offen.

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…mit Eispickel…

Ihrer Person werden von Autor Joe Eszterhas eine Reihe ebenfalls nicht uninteressanter, sie dramaturgisch sinnvoll ergänzender Charaktere zur Seite gestellt. Catherines „unerhörte“ sexuelle Selbstbestimmtheit wird reflektiert in ihrer Geliebten Roxy (Leilani Sarelle) – eine ganz besondere „Gefahr“ für die „heile“ männerdominierte Welt der Polizisten in ihren Anzügen, die sich nur allzu gerne hinter den Fassaden ihrer Sonnenbrillen und streng gebundenen Schlipsen verstecken.

Verkörpert werden soll diese männliche Unsicherheit natürlich durch Nick, der immer tiefer in Catherines Fänge gerät. Dramaturgisch wird dies auch adäquat umgesetzt, etwa insofern, dass er nach erniedrigenden Zusammentreffen mit der für ihn so anziehenden, aber ihm unangenehm überlegenen Frau, gleich mehrmals seine Männlichkeit, seine Dominanz dadurch wiedergewinnen muss, dass er unangekündigt und mit aggressiver Körpersprache in das Büro der Polizeipsychologin Beth Garner (Jeanne Tripplehorn) platzt, wo er wieder ganz die Machorolle einnehmen und so seine Selbstsicherheit wiedergewinnen kann.

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…und beim Sex grundsätzlich in dominant-männlicher Position

Doch leider, und hier funktioniert der Film leider stellenweise auf dem Papier besser als in der Umsetzung, wurde diese Figur mit Michael Douglas besetzt. Er ist insofern keine schlechte Wahl, dass er vom Menschentyp her durchaus dem entspricht, was notwendig ist: Eben ein aalglatter Machotyp ohne jegliche Selbstzweifel. Doch selbst im Verlauf der gesamten zweistündigen Laufzeit kann Douglas diesen Ausgangszustand seiner Figur niemals auch nur annähernd variieren oder erweitern. So bleibt sie mangels seines Talents eindimensional und wirkt dadurch zwar vielleicht hilflos (passt), wenn es hoch kommt permanent beleidigt (im Sinne von „gekränkt“ halbwegs nachvollziehbar), aber auch abgrundtief dumm (passt nicht).

Nein, ein anspruchsvoller Kunstfilm ist Basic Instinct ganz sicher nicht. Aber, auf Hollywoodniveau verflacht, aber immerhin dank klarer Dramaturgie und bildlich-symbolisch bedeutungsvoller Inszenierung (insbesondere die die Stimmung wiederspiegelnden Szenenfarben und die flackernden Licht- und Wasserspiele sind hier zu nennen) noch gut erkennbar, über das reine Bettspektakel, auf das es immer wieder gerne reduziert wird, hat es doch immerhin genug an klassischen Grundkonflikten zu bieten, dass das genauere Zuschauen sich lohnt. Womit man wirklich mehr als zufrieden sein kann.

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