Cincinnati Kid


Originaltitel:
The Cincinnati Kid
Jahr:
1965
Eingetragen:
28.04.2013
IMDB-Wertung:
7,3/10

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Betont obercool
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Shooter kann es nicht fassen: Selbst bei Puzzles kann Melba es nicht lassen, per Nagelfeile nachzuhelfen
In die Fußstapfen des Hustlers sollte ein paar Jahre darauf Steve McQueen als „Cincinnati Kid“ Eric Stoner, seines Zeichens aufstrebender Pokerspieler in den 30er Jahren. Er gilt als der Kandidat, endlich den bereits seit vielen Jahren „regierenden“ König der Spieler, Lancey Howard (Edward G. Robinson) zu entthronen. Sein Freund und Vertrauter Shooter (Karl Malden), seinerzeit als ähnliches Talent von Lancey ausgenommen worden, warnt zwar, doch Eric strotzt vor Selbstvertrauen. Nach einigen Vorbereitungen kommt es tatsächlich zum Duell der beiden Meister – unter den gespannten Augen von Freunden, Feinden und anderweitig interessierten Parteien.

Und in dem Stichwort „Vorbereitungen“ liegt genau der Unterschied, der Cincinnati Kid so viel besser macht, als sein filmisches Vorbild: Man nimmt sich anfangs Zeit, die Figuren vernünftig zu charakterisieren. Man erfährt etwas über Erics Beziehung zu der bodenständigen Christian (Tuesday Weld), man kann sich erklären, wie das seltsame Paar von Shooter und seiner intriganten Ehefrau Melba (Ann-Margret), das nun nur noch Verachtung füreinander übrig hat, früher mal zusammengekommen ist. Man versteht, wie es kommt, dass sich Lancey so viele Feinde (Rip Torn) gemacht hat, die ihn um jeden Preis gedemütigt sehen wollen. Kurz gesagt: Die Personen sind einem nicht mehr egal.

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Alle Pokerwelt steht hinter dem sympathischen Underdog
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Die anderen Mitspieler sind nur Staffage
Gut, dass Eric und Melba eines Abends ausgerechnet zu einem Hahnenkampf gehen, ist sicher nicht sonderlich subtil. Das Motiv des Respekts, den Eric Shooter gegenüber verliert, das sich in zwei Verführungsszenen zwischen Eric und Melba zeigt, ebensowenig. Dem Vernehmen nach wird im Film nicht mal nach den im eigenen Skript verkündeten Pokerregeln gespielt. Und die Blätter, die in dem langen Kartenduell, das das letzte Drittel der 100 Minuten ausmacht, auftauchen, spotten jeder Wahrscheinlichkeitsrechnung.

Doch all das spielt keine Rolle, da die Themen stimmen und auch stimmig inszeniert sind. Erics Arroganz zu glauben, keiner in der ganzen Welt könne es mit ihm aufnehmen und er könne sich alles einfach nach Belieben nehmen. Lanceys aufkommende Selbstzweifel, ob „seine“ Zeit vielleicht wirklich gekommen sein könnte, aber auch die Weisheit, die er durch seine Lebenserfahrung gewonnen hat, mit der er den jungen Herausforderer schließlich trotz aller Kräfte gegen ihn auf Normalmaß zurechtstutzt. Und neben diesem Duell gibt es eben auch noch ein paar durchaus interessante Nebenschauplätze, wie eben der innere Konflikt Shooters um seine persönliche Integrität.

Die Besetzung nach Typen tut ihr Übriges: McQueen als selbstbewusster Obermacho war sich nicht zu schade, am Ende als „Versager“ darzustehen. Mit Robinson und Malden sind zwei Veteranen des US-Gangsterfilms dabei, die ihre Rollen aus den Ärmeln schütteln. Weld und Ann-Margaret machen sich als moralisch gegensätzliche Pole des „Eye Candy“ ebenfalls bestens. So kann es selbst spannend sein, wenn eine Gruppe rauchender Männer einfach nur um einen Tisch herumsitzt!

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