Das Biest


Originaltitel:
The Crush
Jahr:
1993
Eingetragen:
04.09.2013
IMDB-Wertung:
5,8/10

Die späten 80er und frühen 90er… voller fieser Frauengestalten, die armen Männern aufgrund verschmähter Liebe an den Karren fahren wollten. So ist Das Biest sowas wie das uneheliche Kind von Eine verhängnisvolle Affäre und… Lolita? Tja, so absurd ist das gar nicht mal: Schon Stanley Kubrik war schließlich der Ansicht, dass letztere literarische Vorlage im Kino nur dann funktionieren könne, wenn Humbert ein armes Opfer und Kindfrau Lolita vordergründig die Böse sei. Was hier in vereinfachter Weise auf die Spitze getrieben wird.

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Nick ist eigentlich aus beruflichen Gründen in die Stadt gekommen
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Adrienne plant schon die gemeinsame Zukunft

„Das Biest“ ist Adrienne (Alicia Silverstone), „beinahe 15“ Jahre alt, und hochbegabte Tochter gutsituierter und an ihr eher uninteressierter Eltern (Kurtwood Smith und Gwynyth Walsh). Gleichaltrige Freunde sind Mangelware – der Fluch deutlich überdurchschnittlicher Intelligenz. Mehr Interesse zeigt Adrienne dagegen an Nick (Cary Elwes), dem neuen Untermieter. Der ist mit seinen 28 Jahren immerhin doppelt so alt wie sie und er hat gerade eine neue Stelle als investigativer Journalist für ein „trendiges Magazin“ angetreten. Er ist also sowas wie der Prototyp des jungen 90er-Jahre-Yuppies. Für Adrienne ist er jedoch die Verkörperung des unabhängigen Erwachsenenlebens, das sie sich selbst so sehr wünscht.

Es kommt, wie das Genre es diktiert: Adrienne verliebt sich Hals über Kopf, macht immer deutlichere Annäherungsversuche und der höfliche Nick, der das kluge Mädchen wohl tatsächlich ganz nett findet, zieht zu spät die Reißleine: Als ihm klar wird, wie die Erwartungen von anderer Seite sind, ist es bereits zu einem Ausflug zu einem romantischen Leuchtturm, einem Kuss und weiteren (insbesondere im Rückblick) unangenehmen Situationen gekommen. Adrienne verkraftet die nun explizite Zurückweisung schlecht und beginnt, Nicks berufliches und privates Leben in immer stärkerem Maße zu sabotieren.

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Sie weicht ihm weder in der Freizeit…
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…noch auf dem Weg zur Arbeit von der Seite.

Man folgt hier also eigentlich sehr gut bekannten Pfaden und entsprechend wenig Überraschungen gibt es. Auch darf man nicht denken, dass es sich bei dem Biest um eine anspruchsvolle Charakterstudie menschlicher Abgründe handelt. Es ist schließlich ein Teeniethriller in 90er-Jahre-Machart. Doch nach den Maßstäben diesen Genres ist der Film im Grunde genommen ganz gut konstruiert und durch die Darsteller anschaubar umgesetzt.

Das liegt daran, dass die Ereignisse sich mit überzeugender Logik, d.h. ohne absurde Verrenkungen, ergeben. Alles wirkt durchaus folgerichtig, die Charaktere handeln eigentlich allesamt nachvollziehbar aus den Situationen begründet. „Opfer“ Nick rutscht in die Sache zuerst etwas blauäugig rein, doch den Vorwurf der Naivität kann man eigentlich nur mit extrinsischem Wissen der Zuschauer erheben.

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Belagert…
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…von gefährlicher Gegnerin!

Dass er von dem unerwartet offensiven Handeln seines Gegenübers überrumpelt ist, ist logisch. Da er schlicht und einfach nicht damit rechnet, dass sich Adrienne beispielsweise mal eben, während er glaubt im Kleiderschrank gut versteckt zu sein, vor seinen Augen auszieht, weiß er auch nicht, wie er reagieren soll, als sie sich dann auch noch provokant, mit einem wissenden Lächeln auf den Lippen, zu ihm umwendet. Gleichzeitig steckt er in dem Dilemma, das er als erwachsener Mann praktisch keine Dritten hinzuziehen kann: Es stünde immer der Verdacht im Raum, er habe dies alles irgendwie durch eigenes „unmoralisches“ Verhalten provoziert. Oder sogar noch schlimmer: Ein vierzehnjähriges Mädchen muss nur Schreien und sofort stünde Nick als potentieller Vergewaltiger dar – was dann auch gegen Ende genau so passiert.

Elwes, der Inbegriff des Das-Gesicht-Kennt-Man-Doch-Irgendwoher-Ohne-Es-Zuordnen-Zu-Können-Darstellers, macht seine Sache unauffällig solide, was vielleicht gar nicht mal so schlecht ist. Seine Rolle soll schließlich der Normalo sein, der mehr oder weniger unverschuldet in eine schlimme Situation rutscht. Da wären allzu große Ecken und Kanten wohl sogar kontraproduktiv gewesen.

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Das geht nun etwas weit.
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Oder?

Adrienne war Silverstones erste Hauptrolle und gleichzeitig muss man sie wohl als ihre beste Rolle bezeichnen. Sie hat die notwendigen Gesichtsausdrücke bewusst aufgesetzter Unschuld drauf. Als Adrienne muss sie immer wieder so aussehen, als würde sie eben absichtlich nur Naivität oder eben Unschuld heucheln, um dann in ein ironisch-wissendes Lächeln zu wechseln. Dass das seitens Silverstone gute Schauspielerei etwas unausgefeilter Schauspielerei eines jungen Mädchens ist, darf angesichts ihrer weiteren Karriere bezweifelt werden; doch der Effekt für den Film ist der gleiche. Viele Schauspielerinnen und Schauspieler von erfolgreichem Format spielen ja immer nur wieder die gleiche Rolle; Silverstones Problem war es, dass sie irgendwann erwachsen geworden ist, und damit für diese ihre eine passende Rolle nicht mehr weiter besetzt werden konnte.

Dass sich beide zu dieser Zeit auf dem Höhepunkt ihrer Karrieren befanden, hat allerdings angesichts der absolut verdienten Irrelevanz des Biests in der Filmgeschichte schon wieder eine gewisse menschliche Tragik.

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