Django Nudo und die lüsternen Mädchen von Porno Hill


Originaltitel:
Brand of Shame
Jahr:
1968
Eingetragen:
08.09.2013
Bearbeitet:
13.09.2013
IMDB-Wertung:
3,6/10

Die Zuordnung des Originaltitels ist in diesem Fall mit Vorsicht zu genießen: Bei Brand of Shame handelte es sich wohl um einen ernstgemeinten US-amerikanischen Softpornostreifen, der dem schweizer Trashproduzenten Erwin C. Dietrich wohl dermaßen öde vorkam, dass er damit rechnete, keine müde Mark damit verdienen zu können. So gab er flugs den Nachdreh einiger neuer Szenen, eine völlig sinnentstellende Synchronisation und wahrscheinlich auch einen vollständig neuen Schnitt in Auftrag. So „ergänzt“ wurde daraus für den deutschsprachigen Markt Django Nudo – den man wohl (ohne das Original gesehen zu haben) als eigenständigen Film sehen und bewerten muss, und den selbst die FSK als so harmlos ansieht, dass sie ihn ab 16 Jahren freigibt.

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Der Weg nach Porno Hill ist vielbefahren – von Baggern!
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„Du solltest dich mal unter die Höhensonne legen.“

Die „ergänzten“ Szenen drehen sich um zwei neue Charaktere namens „Bumsi“ und „Bumso“ (Darsteller leider nicht identifizierbar), die sich auf grasgrünen Alpenlandschaften herumtreiben (aber immerhin, zumindest anfangs, Westernkostüme von gleicher Qualität wie die des restlichen Films tragen, d.h. Marke Fasching im Kindergarten) und in ihren körperlichen Aktivitäten immer wieder dadurch gestört werden, dass sie Szenen des restlichen Films „beobachten“. Diese Gegenschnitte funktionieren natürlich im Zusammenhang mit den grau-braunen Wüsten besonders gut.

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Die Aufschrift ist Programm: „Great Western“
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Etwas bewegt sich – das Bild wird unscharf

Django (anonym gespielt unter dem Pseudonym Steve Stunning bzw. eingedeutscht als „John Eversteiff“), seines Zeichen Revolverheld, Verleger und auch noch Besitzer „allen, was man hier sehen kann“ ist auf dem Weg zurück in seine Heimatstadt Porno Hill. Auf der Postkutschenfahrt lernt er die ansehnliche Lehrerin Lilly Milly Quark (Samantha Scott) kennen. Ansehnlich zumindest solange, bis Mrs. Scott ihre Bluse auszieht: Sie erbringt den Beweis, dass bereits in den 60ern nicht nur Filme, sondern auch Brüste nachträglich „ergänzt“ wurden. Doch das stört Django nicht. Auf jeden Fall hat Lilly von ihrem verstorbenen Vater eine Goldmine geerbt, die allerdings wohl nicht so leicht zu finden ist, denn er hat ihr eine genaue Landkarte mit dem Weg dorthin hinterlassen, die sich auch der Gauner Hieronymus Hacker (Steve Vincent) mit seinen Helfern Rosenkrantz und Güldenstern (Shakespeare lässt grüßen) unter den Nagel reißen möchte. Ebenfalls Interesse an Karte und Lehrerin hat die lesbische Puffmutter Molly (Marsha Jordan), in deren Haus sich Lilly gleich mal einquartiert (?).

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Bla, bla, Vater tot, Mine, Karte – wissen wir doch alles!
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Die zweitunspektakulärste Verfolgung der Filmgeschichte

Diese Handlung hat sich wahrscheinlich bereits im Original am Rande des Schwachsinns bewegt. Für die Synchronisation verpflichtete man durchweg namenhafte Sprecher: In der Hauptrolle ist Andreas Mankopff (bekannt durch zahllose Fernsehauftritte in den 80er Jahren sowie vorher als Stimme unter anderem Kenneth Connors in den Carry on-Filmen) zu hören und die Lilly gibt Renate Küster (Faye Dunaway und Catherine Deneuve), dazu gesellen sich Edith Hancke als Puffmutter, Joachim Keller (Humphrey Bogart), Ingrid van Bergen (neben ihren eigenen Rollen die Synchronstimme Honor Blackmans und Kathleen Turners) und viele andere, die man ebenfalls schonmal gehört hat. Das deutschsprachige Buch treibt diesen Schwachsinn dann (die deutschen Rollennamen deuten es ja bereits an) bewusst auf die Spitze: Es wird übelst gekalauert, wenn ein endloser Dialog mal wieder zu langweilig wird, wird er einfach ausgeblendet und sich stattdessen genau diesen Inhalts kommentierend direkt an die Zuschauer gewandt.

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Zwischen Steinen und Gräsern laufen die Pferde mangels Reiterfahrung einfach hin, wo sie wollen
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In gleicher (?) Umgebung vergnügen sich auch Bumsi und Bumso

Was auch dringend notwendig ist, denn der sichtbare Film strotzt nur so vor Leerlauf. In unoriginellster Schnitt-Gegenschnitt-Technik wird bereits Bekanntes zum dritten Mal erzählt. Minutenlang wird mit völlig statischer Kamera abgefilmt, wie irgendwelche Leute auf Pferden herumsitzen und nichts tun. Was allerdings filmisch sogar noch die besseren Szenen darstellt, denn wenn dann mal etwas passieren „soll“, dann schafft Kameramann „I.M. Blind“ es weder, die Kamera ruhig zu halten, noch die entscheidenden Dinge überhaupt ins Bild zu rücken. Wenn jemand erklären kann, was der Typ mit dem hochgeklappten Hut da in Lillys Zimmer macht, wären Erklärungen willkommen…

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Bei dieser hocherotischen Auspeitschungsszene…
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…kann sich die „Darstellerin“ das Lachen leider nicht verkneifen.

Neben der Off-Kommentierung versucht die Synchronisation auch in anderen solcher Situationen eigentständig zu unterhalten. Für Lacher sorgt einerseits immer wieder Mankopff als Django. Beim völlig unspektakulären Postkutschenüberfall stellt er beispielsweise erstmal lautstark fest „Ihr seid meine Feinde!“, um dann den Revolver zu ziehen und das Feuer zu eröffnen. Auf die spätere Nachfrage „Hast du sie allegemacht?“ bedauert er: „Nein, sie waren maskiert. Ich wusste nicht, wo ich hinschießen sollte.“ Lilly gibt sich philosophisch und stellt an völlig unpassender Stelle die rhetorische Frage: „Ist die Wirklichkeit so unendlich wie unsere Träume?“. Bei einem späteren völlig ereignislosen Ausritt der beiden, ist folgender Dialog zu hören:
„Hinter jenen Hügeln liegt das Glück.“
„Oh, ja! Doch was ist das?“
„Steine und Gräser. Auch dahinten: Nur Steine und Gräser.“
„Dreh dich nicht um, Django – ein Kaktus!“
„Vergiss ihn. Steine und Gräser allerorts. Nirgendwo ein lauschig Plätzchen. Moos oder so.“

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Superkinn Django lässt seine Hose grundsätzlich an
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Und wenn's doch mal zu „heiß“ wird…

Ähnlich hintertreibt man auch das harmlose Herumgefummel, das – wie gesagt – ursprünglich mal in Bahnhofskinomanier anregend gemeint war. Nebengeräusche wie ein quietschendes Bett werden absurd in den Vordergrund gemischt, man (und frau) beschwert sich heftig über die angewandten Techniken der PartnerInnen oder kommentiert deren körperlichen Eigenheiten („Deine Pickel stören mich gar nicht.“, „Du hast ja ein Muster aufm Po!“) und wenn gar nichts mehr anderes hilft, stöhnt und quietscht man so albern herum, das auch dem letzten Regenmantelträger im Publikum die Lust vergehen müsste. Wenn es dann (angeblich) mal zu explizit wird, schaltet man das Bild einfach schwarz bzw. piepst böse Begriffe weg. Wobei recht deutlich ist, dass auch das nicht im Sinne tatsächlicher Selbstzensur geschieht, sondern humoristisch gemeint ist: Gerade die Piepser sind teilweise so „unglücklich“ platziert, dass man die Worte trotzdem noch verstehen kann und manchmal ist auch aus dem Kontext klar, dass hier überhaupt nichts Zensierenswertes gesagt werden konnte.

Django Nudo ist (nochmal sicherheitshalber: in dieser Fassung) also das, was man wohl allgemein als Partyfilm bezeichnet. Ob man zwischendurch mal ein Bier holt, oder einfach durch eigenes Lachen mal ein bisschen was verpasst, ist völlig gleichgültig. Der Humorfaktor steigert sich dabei mit größerer Gesellschaft. Häufig beschwert man sich in elitären Kreisen ja über angeblich minderwertige Synchronfassungen. Hier ist genau das Gegenteil der Fall: An den ansonsten völlig unter Kanone inszenierten Softcore-Western Brand of Shame braucht sich niemand mehr zu erinnern. Django Nudo hat dagegen die Zeit überdauert!

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