Vamps


Originaltitel:
Vamps
Jahr:
2012
Eingetragen:
08.09.2013
IMDB-Wertung:
5,1/10

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Dracula beruhigt sich mit Stricken
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Seine Gegenspielerin fröhnt dagegen dem Blutdurst
In den 80ern und 90ern war Regisseurin Amy Heckerling mal wirklich erfolgreich gewesen. 2010 rollte die Welle leichtgewichtiger Vampirfilme und sie versuchte aufzuspringen. Nur wollte den fertigen Film niemand haben – erst zwei Jahre später erbarmte sich ein Verleih für eine Minimalveröffentlichung ohne die Zielsetzung, die Produktionskosten wieder einzuspielen. Nach dem vorherzusehenden Kassendesaster in den USA wurde der Film in Deutschland dann gleich auf Billig-DVD verramscht. Nun muss Kassen- (Miss-) Erfolg beileibe nicht immer mit Qualität korrellieren. Wenn man einen eigenen Anspruch verfolgt, der nur am Massengeschmack vorbei geht, kann trotzdem etwas Sehenswertes herauskommen. Aber wenn man nur auf einen Trend aufzuspringen versucht…

Den Film so lange auf Halde zu legen, ist deshalb überraschend, da er in Nebenrollen durchaus bekannt besetzt ist: Sigourney Weaver gibt Cisserus, eine böse Obervampirin, und Malcolm McDowell ist Vlad Țepeș (die historische Persönlichkeit, die den Draculasmythos begründete), der mittlerweile Menschenblut abgeschworen und eine große Anhängerschaft gleichgesinnter Vampire (eine Art anonyme Alkoholikergruppe) um sich geschart hat.

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Diese beiden Vampirinnen…
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…gehören eher zur harmlosen Sorte.
Bei den Hauptrollen hat man allerdings weniger in die vollen gegriffen: Im Zentrum der Geschichte stehen zwei junge Vampirinnen, die zu Țepeș' Gruppe gehören, Goody und Stacy. Als erstere muss Alicia Silverstone, personifiziertes Kassengift zur Entstehungszeit bereits seit 15 Jahren, aber Heckerling immerhin durch einen großen Erfolg Mitte der 90er Jahre verbunden. Letztere wird durch die anscheinend im amerikanischen Fernsehen einigermaßen aktive Krysten Ritter verkörpert. Seltsam ist dies auch deshalb, da beide Figuren in ihren frühen Zwanzigern zu Vampiren geworden sein und seitdem nicht mehr gealtert sein sollen. Beide Darstellerinnen waren bereits deutlich jenseits der 30, als der Film gedreht wurde, und das sieht man auch. Doppelt seltsam, da die meisten auftauchenden Popkulturbezüge sich jedoch auf eine Zeit beziehen, die heutigen Menschen von Anfang 20 gedanklich gar nicht zugänglich sein dürfte.

Die kaum erwähnenswerte Handlung dreht sich also um Goody und Stacy, die in New York ein leichtes Leben führen. Nachts verdient man sich seinen Lebensunterhalt als Gebäudereiniger und vergnügt man sich in Clubs, tagsüber wird geschlafen. Sie ernähren sich von Ratten und anderem Ungeziefer. Problematisch wird es, als sich Stacy, erst seit zwanzig Jahren Vampirin, in sympathischen Studenten Joey (Dan Stevens) verliebt. Der ist nicht nur ein Mensch, sondern heißt mit Nachnahmen auch noch Van Helsing. Dessen Vater (Wallace Shawn), besessener Vampirjäger, identifiziert die blasse Stacy natürlich sofort als das, was sie ist, und hat so einige Einwände gegen die Beziehung. Goody trifft derweil Danny (Richard Lewis), ihre große Liebe aus der Friedensbewegung der 60er Jahre, wieder. Und dann funkt auch Cisserus, die Goody und Stacy zu Vampirinnen gemacht hat, und sie deshalb willenlos befehligen kann, funkt immer wieder dazwischen.

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Joeys Furcht vor seiner Kommilitonin währt nur kurz
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Schon feiert man gemeinsam ihren Geburtstag
Zumindest scheint das als Hauptplot gemeint zu sein. Daneben wird zwischendurch mal angedeutet, es könne eine Verschwörung gegen die Vampirgemeinde in Gange sein, die sich allerdings dann einfach mal in Luft auflöst. Der Konflikt zwischen menschenbluttrinkenden und „vegetarischen“ Vampiren (der sich personifiziert durch die beiden bekannteren Schauspielveteranen ja geradezu aufgedrängt hätte) bleibt ebenfalls unaufgelöst. Nun gut, aus der Liebesgeschichte hätte man ja auch eine lustige Genresatire machen können. Manchmal glaubt man auch, diese erahnen zu können, beispielsweise wenn Joey mit seinen Eltern diskutieren muss: „Sie ist so… blass.“ – „Ach, ihr habt also etwas gegen ihre Hautfarbe?“; schon denkt man automatisch an Rat mal, wer zum Essen kommt, und es entfleucht einem tatsächlich ein Lächeln.

Doch solche Momente abzuzählen, dazu reicht weniger als eine Hand. Selbst dieser eine Anlass für mögliche Scherze wird überhaupt nicht ausgereizt: Zehn Minuten nach Kennenlernen erkennt auch Joey, dass Stacy eine Vampirin ist, aber dreißig Sekunden später findet er sich damit ab und setzt die Beziehung glücklich fort – und seine bedenkentragenden Eltern kommen überhaupt nicht mehr vor, bis sie dann für's lahme Finale wieder benötigt werden.

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Ein Zitat bringt immer Vergleiche mit sich
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Da kommt dieses Grüppchen aber unglaublich schlecht weg
Statt Filmklassiker zu zitieren, tauchen einige Beispiele des deutschen Expressionismus wie Nosferatu und Das Kabinett des Dr. Caligari immer mal wieder auf Fernsehern im Film auf. Was einige Apologeten als „Beleg“ dafür anführen, die schlechten Spezialeffekte in Vamps seien intentional zu verstehen. Doch wenn man eine Hommage an Filme früherer Zeiten machen möchte, dann muss man auch deren Technik verwenden anstatt einfach schlechte Computertricks einzubauen. Dieses Argument zieht also nicht und man kann bei solch peinlicher-unglaubwürdiger Optik nur verzweifelt den Blick abwenden.

Die eigentliche Crux ist jedoch vorher diskutierte Inhaltsarmut. Auch „romantische Komödien“ brauchen zumindest einen durchgehenden Grundkonflikt, der die Zuschauer bei der Stange hält. Dieser ist in Vamps nicht erkennbar vorhanden. Und so ist auch bereits klar, dass sich ein Anschauen, völlig unabhängig von weiteren Überlegungen, überhaupt nicht lohnen kann. Es ist höchst befriedigend, wenn ein stumpfer Abkassierfilm mal verdientermaßen so richtig den Bach runter geht.

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