Die letzten Tage von Pompeji


Originaltitel:
Gli ultimi giorni di Pompei
Jahr:
1959
Eingetragen:
14.09.2013
Bearbeitet:
28.12.2013
IMDB-Wertung:
5,7/10

Steve Reeves' Filmkarriere verbindet man primär mit Herkules: Der Bodybuilder machte primär Karriere mit handfesten Stoffen im südeuropäischen Kino der 50er und 60er Jahre. In Die letzten Tage von Pompeji ist er dagegen kaum wiederzuerkennen: Mit relativ bedecktem Oberkörper und ohne charakteristische Gesichtsbehaarung spielt er den den römischen Offizier Glaucus, der zu allem Überfluss auch noch in nur wenige Handgemenge verwickelt wird.

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Wer steckt hinter den Masken?

Jener Glaucus kehrt nach längeren Feldzügen zurück in seine Heimatstadt Pompeji. Hier findet er das Haus seiner Vaters verwüstet und den alten Herren ermordet vor. An die Wand ist ein Kreuz geschmiert – das Zeichen einer marodierenden, terroristischen Christenbande. Oder so glauben jedenfalls die herrschenden Kräfte, die die Sekte nach Kräften verfolgen. Tatsächlich gerät auch Glaucus immer wieder mit den schwarzvermummten Gestalten aneinander. Doch je tiefer er nachforscht, auf desto mehr Ungereimtheiten trifft er, die die Dinge in einem anderen Licht erscheinen lassen – und die Christen, die er tatsächlich trifft, geben sich alles andere als aggressiv. Als Glaucus jedoch anfängt, zu viele Fragen zu stellen, fällt er selbst in Ungnade und er findet sich schließlich sogar in der Arena gegen Löwen kämpfend wieder.

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Christen?

Mit unglaublichem Pathos wird hier von armen verfolgten/unterdrückten Christen erzählt. Das ist an distanzloser Naivität leider kaum mehr zu übertreffen! Paradebeispiel ist die Figur Christine Kaufmanns, in der Rolle des noch etwas sehr jugendlichen Love-Interests (man muss geradezu Angst haben, sie würde von Koloss Reeves zerquetscht, würde er sie nur zu fest umarmen). In einer anfänglichen Szene erzählt sie ohne jeglichen Vorwand in die Kamera, sie habe – obwohl gar keine Christin – in einer Gefahrensituation „zu Gott“ gebetet. Das mag ein Übersetzungsproblem sein, aber die implizite Klarheit, es sei der christliche Gott (in der römischen Mythologie gab es schließlich auch genügend Götter, die sie hätte meinen können), ist schon reichlich ärgerlich.

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Oder doch das Establishment?

Leider geht es größtenteils auf diesem predigenden Niveau weiter. Erst gegen Ende, als die Verschwörung dem Zuschauer weiter aufgedeckt wird, geht es in einigermaßen logischer nachvollziehbarere Richtungen (nämlich nationalistische Beweggründe statt religiöser). In diesem Kontext gibt es dann sogar eine ganz gute Szene, in der ein bisher ahnungsloser den Betrug einer ihm bisher als vertraut angenommenen Person erkennt, Opposition ankündigt – Schnitt, man sieht die betrügende Person eine Nachricht per Brieftaube abschicken und die Kamera schwenkt kurz herum – man sieht die betrogene Person erdolcht am Boden liegen. In dieser Beiläufigkeit hat das schon eine nachvollziehbare menschliche Tragik jenseits peinlichen Pathos'. Was allerdings dann auch nicht die Interpretation des abschließenden Vulkanausbruchs als „göttliche Strafe“ verhindert. Mit Kulissenbauten, Kostümen und Dramaturgie stimmt schon alles und selbst die schauspielerischen Leistungen gehen im Rahmen des Erwarteten in Ordnung. Sympathisch ist der Film dadurch jedoch noch lange nicht.

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