Sklaven ihrer Triebe


Originaltitel:
Top Sensation
Alternativtitel:
Sklavin ihrer Triebe
Jahr:
1969
Eingetragen:
24.09.2013
Bearbeitet:
24.08.2015
IMDB-Wertung:
5,6/10

Es gibt Filme, die die definierenden Stilmittel der Zeit aufgreifen und sich ihrer bedienen, ohne dass man sich jemals sicher ist, ob das nun Kunst oder absoluter Trash ist. Der deutsche Titel Sklaven ihrer Triebe deutet zwar ganz klar auf letzteres hin, doch es besteht natürlich auch immer die Möglichkeit, dass der deutsche Verleiher entweder den Inhalt selbst nicht verstanden hat oder einfach nur eine andere Vermarktungsstrategie verfolgten.

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Luxus trifft auf Landleben
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An Bord…

Das Argument der Vermarktungsstrategie trifft wohl: Es wurden immerhin für die deutsche Version noch neue Szenen dazugedreht, die sich mehr schlecht als Recht in die sonstige Handlung „einpassen“. Nun existiert mittlerweile eine schöne deutsche DVD-Box, die sowohl „Originalversion“ Top Sensation, als auch das deutsche Sklaven ihrer Triebe enthält – doch es bleibt natürlich auch in ersterem Fall die gleiche Übersetzung der seinerzeit synchronisierten Szenen. Inwieweit diese nun sinnentstellend ist, lässt sich ohne weiteres Fremdsprachenstudium leider nicht feststellen.

Grundlegend geht es, wenn man es denn jetzt mal versucht ernstzunehmen, wohl um den Einfall einer hedonistischen Luxusschicht in die bodenständige Welt. Verkörpert wird dies durch die Insassen einer Jacht: Millionärin Mudy (Maud Belleroche), ihr geistig zurückgebliebener, erwachsener Sohn Tony (Ruggero Miti) sowie das von Mudy angeheuerte junge Ehepaar Paola (Rosalba Neri) und Aldo (Marizio Bonuglia) und Ulla (Edwige Fenech). Sinn der Reise ist die „Heilung“ Tonys: Nach teuren Operationen und Kuren denkt Mudy, dass die sexuelle Störung ihres Sohnes schon verschwinden würde, wenn er nur endlich mal Sex hätte. Doch weder Paola, noch Ulla sind diesbezüglich erfolgreich – und an zu vielen Klamotten liegt es nicht.

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…amüsiert man sich.
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Doch auch vor der „unschuldigen Natur“ macht man nicht halt.

Während sich derweil so ziemlich jeder mit jedem (außer eben mit Tony) vergnügt, läuft man vor einer einsamen kleinen Insel auf Grund (die „unverdorbene“ Welt). Hier werden erstmal die dort lebenden Ziegen wahlweise aus Spaß erschossen oder zu sexuellem Lustgewinn verwendet (die Wahrscheinlichkeit, dass der Film nicht als Exploitation gemeint ist, sinkt…). Tony lernt derweil Schäferin Beba (Eva Thulin) kennen, die ihm, im Gegensatz zu seinem normalen Umfeld, sehr sympathisch ist. Jene anderen sehen darin eine Chance, lotsen Beba aufs Schiff, füllen sie mit Alkohol ab, setzen sie in Tonys Kabine und hoffen auf das beste – während Bebas Mann ebenfalls mit Alkohol sowie Paola und Ulla abgelenkt wird. Doch es kommt alles anders als gedacht: Nach einigem Hin und Her kommt Tony zu dem Schluss, Beba sei „auch nur so wie die anderen“. Und schon muss man plötzlich zwei Leichen loswerden.

Sklaven ihrer Triebe umrahmt das ganze dadurch, dass Tony bereits vorher eine Prostituierte, zu der Aldo ihn geschleppt hat, umgebracht haben soll. In diesem Fall ermittelt Günther Hendel als faulster Polizist aller Zeiten: Seine Szenen beginnen grundsätzlich damit, dass er mit ein oder zwei nackten Frauen im Bett liegt, als sein Chef anruft und ihn – trotz eindringlichen Protests – zu Aktivitäten im Sinne seiner Arbeit auffordert. Was er dann nur äußerst widerwillig, aber immerhin mit permanent gezogener Schusswaffe erledigt. Schließlich könne man ja nie wissen, wo Bösewichte lauern. Man merkt schon: Von dieser Seite wurde ganz klar eine Verwertung im Bahnhofskino angestrebt.

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Beba weiß kaum…
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…wie ihr geschieht.

Die gleiche Sprache sprechen die (deutschen) Dialoge, die aber eben so nicht zu verifizieren sind. Auch Szenen wie die, in der sich Fräulein Fenech von der Ziege ablecken lässt, sind nur schwer zu rechtfertigen. Doch wie nebenbei schleichen sich eben auch Motive wie eben das dauernde Beobachten und beobachtet werden mit Überwachungskameras, Tonbändern oder eben auf die altmodische Tour als Spanner hinterm Busch hinein. Aldo läuft auf der Insel grundsätzlich nur mit umgehängtem, dicken Fotoapparat herum, womit er gleich mal als erstes Beba „beschmutzt“. Sehr schön auch die Szene, in der Paola und Ulla Beba „ummodeln“: Mit jeder Drehung wird sie durch dicke Schminke, Lidschatten usw. unnatürlicher, gerät also immer tiefer in die durch den Film kritisierte Welt. Was wiederum passt, da Tonys Begleiterinnen eben gar nicht verstehen, dass es eben jene Unnatürlichkeit ist, die ihn abgrundtief abstößt.

So ist es eigentlich der Mutter-Sohn-Konflikt, den man als ernsthaft interessant identifizieren könnte: Mudy, die davon überzeugt ist, sich alles und jeden kaufen zu können, hat genau mit dieser Einstellung die innere Abwehrreaktion ihres Sohnes verschuldet. So ist das Ende im Sinne der langsam erzählten Tragödie folgerichtig. Allerdings ist es eben eine langsam erzählte Tragödie, die auch in der Originalversion (mindestens) optisch bereits der Doppelmoral verfällt, das, was vorgeblich kritisiert wird, ausführlichst zu zeigen. Wo natürlich die rein männliche Zuschauerschaft nichts gegen hat. Und ehrlich gesagt ist diese Aussage dann auch nicht viel mehr, als simple Sozialromantik: Die „Selbstentfremdung“ der Menschen in der High Society wird angebliche, „einfache“ Idylle im Einklang mit der Natur gegenübergestellt. Immerhin wird es in Form der beiden beteiligten Personen, Beba und ihrem Mann, in zwei unterschiedlichen Facetten personifiziert, aber wohin führen all diese Stilmittel und angedeuteten Themen? Zu wenig mehr, als das man eben den Verdacht bekommt, hier könne eine ernste Intention vorliegen.

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Tony vergnügt sich mit seinem Roboter.
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Günther Hendel ist nicht sonderlich motiviert, ihn zu verhaften.

Zum Abschluss bleibt nur noch die Frage, welche Version des Films nun die bessere ist. Tja, schwierig. Günther Hendel und seine deutschen Mitstreiter sorgen bei Vorführung in gut gelaunter Gesellschaft sicher für mehr Stimmung. Jedoch muss man bei dieser Version dann jede Hoffnung fahren lassen, auch nur ansatzweise Gedankenfutter geliefert zu bekommen. Will man sich eher intellektuell zu rechtfertigen versucht, einen weiteren primär aus Sex bestehenden Film angeguckt zu haben (wie an dieser Stelle geschehen), sollte man sich dagegen tunlichst auf die „Originalversion“ berufen.

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