Geißel des Fleisches


Originaltitel:
Geißel des Fleisches
Jahr:
1965
Eingetragen:
24.09.2013
IMDB-Wertung:
6,2/10

Alexander Jablonsky (Herbert Fux) steht vor Gericht. Er ist der vielgesuchte Frauenmörder, dessen Taten in letzter Zeit die Wiener Medien beherrscht haben. Mehrfach war er zwar an den Tatorten gesehen worden, doch erst der Plan des zuständigen Kriminaloberkommissars (Josef Loibl) brachte den Schuldbeweis: Er schickte Kriminalassistentin Marianne Körner (Edith Leyrer) auf einen riskanten Undercovereinsatz. Zeugenaussagen lassen die Taten Revue passieren und zeichnen das Bild eines zutiefst sexuell gestörten Mannes, der geradezu zwanghaft handelte.

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Die Anklage legt ernstzunehmende Beweismittel vor
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Versuchung überall

Zeittypisch-reaktionär will uns der Film weißmachen, neben der lieblosen Kindheit, die zur Beziehungsunfähigkeit des Mörders geführt habe, sei auch der generelle „Verfall der Sitten“, der sich insbesondere in der „schamlosen Zurschaustellung des weiblichen Körpers“ zeige, verantwortlich für seine Taten. Werbeanzeigen und kurze Röcke hätten die vielversprechende Karriere des Musikers zerstört, der sich dann (Ironie des Schicksals) als Pianist in zweifelhaften Bars durchschlagen musste – wo er also unausweichlich noch stärkeren Versuchungen ausgesetzt war. Seiner sexuellen Erregung habe er nur durch Mord Erleichterung verschaffen können.

Wir befinden uns also im bekannten Spannungsfeld verlogener Gesellschaftskritik und sensationsheischender Darstellung des vorgeblich kritisierten. „Erzählen Sie uns genau, was an diesem Abend im Playboy-Club vorgefallen ist!“, fordert der Richter (Hermann Laforet) auf, und das lässt sich der Herr Kommissar nicht zweimal sagen: Es geht sogar so weit, im Detail die „unerhörte“ „Versteigerung“ einiger Prostituierter an gutsituierte Herren sowie eine lesbische Bühnenshow zu beschreiben.

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Ui, ui, ui!
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Die unvermeidliche Konsequenz (?)

Wo die damals wahrscheinlich wirklich noch skandalöse Darstellung heute eher amüsiert (letztere Szene findet beispielsweise voll angezogen und ohne Körperkontakt außerhalb der Hände statt, dauert aber trotzdem nur zehn Sekunden), ist sowohl die darstellerische Leistung Fux' (leider mit unpassender Stimme synchronisiert), als auch die Filmtechnik gar nicht mal so übel. Zentrale Szenen werden mit perspektivisch intelligent und in kontrastreich aufgenommenen Bildern intensiviert. Spiegel und Schatten erzählen, was man nicht im direktem Blick hat.

Bestimmt gab es bereits zur gleichen Zeit anderswo mutigere Exploitation-Experimente. Doch es ist auch schön zu sehen, dass es selbst in Österreich nicht nur peinliche Heimatfilme gab.

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