Spirits of Death

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Originaltitel:
Un bianco vestito per Marialé
Jahr:
1972
Eingetragen:
29.09.2013
IMDB-Wertung:
5,8/10

Wenn Dauerbösewicht Ivan Rassimov schon als (relativer) „Straight Man“ auftritt, dann weiß man, dass es mit der geistigen Gesundheit der anderen Charaktere des Films nicht weit her sein kann. Die Grundkonstellation transportiert aber erstmal eine andere Themenerwartung: Mariaĺé (Ida Galli) – bereits als Kind traumatisiert dadurch, dass sie mitansehen musste, wie ihr Vater (Franco Calogero) ihre untreue Mutter (Galli) erschoss – wird sofort als Opfer charakterisiert, da sie von ihrem Mann Paolo (Luigi Pistilli), mit Hilfe des düsteren Butlers Osvaldo (Gengher Gatti), im gemeinsamen Schloss praktisch gefangengehalten. Sie wird komplett von der Außenwelt abgeschottet, sie selbst vermutet sogar, sie solle vergiftet werden. Jedoch ist es ihr gelungen, per Telegramm ein paar alte Bekannte einzuladen.

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Marialé kostümiert sich geschmackvoll im Kleid, in dem ihre Mutter erschossen wurde (inklusive Einschusslöcher)

Auftritt Rassimov & Konsorten (Edilio Kim, Shawn Robinson, Pilar Velázquez, Ezio Marano und Giancarlo Bonuglia). Normalerweise hätte man nur die Ankunft des heldenhaften Retters der „Damsel in Distress“ oder zumindest des beobachtenden Stellvertreters der Zuschauerschaft erwartet. Die Masse der Dazukommenden irritiert und steuert die Geschichte in eine andere Richtung: Statt Der Untergang des Hauses Usher erwartet uns nun Das große Fressen gefolgt von Zehn kleine Negerlein.

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Denn: Marialé tut vom Zuschauer unerwartet gegenüber den Gästen so, als sei alles in Ordnung, als diene die Einladung nur dem gemeinsamen Spaß. So kommt es zu einer von Dekadenz triefenden Kostümparty (die Wahl der jeweiligen Verkleidungen kehrt das Innerste der Figuren nach Außen), die in einer Art angedeuteter Orgie endet. Doch wie man es eher aus dem französischen Kino kennt, löst diese scheinbare Befreiung die Konflikte nicht, sondern lässt sie erst richtig aufbrechen. So wird nun einer nach dem anderen von einem anderen, noch nicht identifizierten Anwesenden ermordet.

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Rassimov dient eben in der für ihn ungewöhnlichen Rolle des einzigen einigermaßen kühlen Kopfes, der zumindest ansatzweise reflektiert, was hier eigentlich vor sich geht. Wobei auch er im Sinne der deterministischen Tragödie weder sein eigenes, noch das endgültige Schicksal der anderen verhindern kann. Alle haben in dieser sich steigernden Inszenierung eine ihnen zugestandene Rolle – die kriminalistische Frage ist nur, welche der anwesenden Personen die Regie führt.

Dass bereits das französische Kino erwähnt wurde, ist jedoch kein Zufall: Spirits of Death ist trotz vielfältig interessanter Motivik streckenweise zu verkopft, möchte zu feinsinnig sein. Solch eine Geschichte zu überladen ist gefährlich, denn letztlich schlägt es sich negativ auf den Unterhaltungswert nieder.

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