Das unheimliche Auge


Originaltitel:
La foto di Gioia
Alternativtitel:
Delirium
Jahr:
1987
Eingetragen:
07.10.2013
IMDB-Wertung:
5,6/10

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Spielt keine weitere Rolle
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Spielt keine weitere Rolle
Genretrends aller kultureller Medien unterliegen bekanntermaßen Schwankungen. Was gerade noch total „in“ war, ist ein paar Jahre später plötzlich total „out“. Ein besonders spannender Effekt ist dabei jedoch, dass Ursache und Wirkung manchmal gar nicht so klar sind. Es gibt nämlich nur wenige Beispiele, in denen tatsächlich nachweisbar ist, dass die Qualität der Produkte eines auslaufenden Trends gleich blieb (geschweige denn stieg). Endet der Trend also, weil die Werke schlechter wurden, oder wurden die Werke schlechter, weil das Auslaufen des Trends niedrigere Produktionskosten auslöst? Wo man auch immer Henne und Ei sieht, es ist meist eine langsame Todesspirale.

Das unheimliche Auge siedelt sich inhaltlich wie stilistisch in einem Genre an, das im Entstehungsland Italien 10-15 Jahre zuvor seinen Höhepunkt erreicht hatte: In den mehr oder weniger gepflegten Kreisen eines Hochglanzmagazins namens Pussycat geht ein Killer um. Ein Model nach dem anderen fällt ihm zum Opfer. Die Leichen drapiert er vor überlebensgroßen Fotografien der Besitzerin Gioia (Serena Grandi), selbst ein ehemaliges Model, und diese morbiden Schnappschüsse lässt er eben jener Gioia zukommen. Es gibt zwei offensichtliche Verdächtige. Erstens ist da der Spanner Mark (Karl Zinny), der zwar im Rollstuhl sitzt, doch seine Behinderung ist – so sagen die Ärzte – rein psychologisch bedingt. Zweitens könnte auch Flora (Capucine), Inhaberin eines Konkurrenzmagazins dahinterstecken.

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Optisch hat man sich immerhin Mühe gegeben
Leider ist der Film jedoch trotz bekannter Handlungsmotive völlig in die Hose gegangen. Die Darstellerinnen insbesondere der Mordopfer sind einfach unterirdisch – man fühlt sich in ungeprobtes Laientheater versetzt! Noch schlimmer ist jedoch das völlig chaotische Skript. Zuerst wird dem Mörder ein Gimmick angedichtet, dass er sein Opfer mit einem nur aus einem riesigen Auge bestehenden Kopf sieht. Das taucht nach einmaliger Anwendung aber nicht mehr auf und spielt selbst in der Auflösung dann keine Rolle mehr. Die Sache mit den Fotos wird ebenfalls nur zweimal eingesetzt – danach wird wild quer durch die Bank und ohne Rückmeldung gemeuchelt. Und so weiter und so fort; keines der Motive wird überhaupt länger als eine halbe Stunde am Laufen gehalten.

Wenn man so einen Schrott sieht, bekommt man ganz schnell den Eindruck, als habe man in den 80ern gar nicht mehr versucht, gute Genrefilme zu produzieren. Als habe man einfach völlig resigniert. Es ist kein Wunder, dass niemand diesen Schrott sehen wollte – und das kann man auch nicht mit fehlendem Budget rechtfertigen.

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