Die Königin und der Leibarzt


Originaltitel:
En kongelig affære
Jahr:
2012
Eingetragen:
15.10.2013
Bearbeitet:
01.11.2013
IMDB-Wertung:
7,5/10

Kostümfilme sind eine sichere Bank. Die mindestens vierte Verfilmung der einigermaßen historischen Geschehnisse um den geisteskranken dänischen König Christian VII. (Mikkel Boe Følsgaard), seine Ehefrau Caroline Mathilde (Alicia Vikander) und den deutschen Leibarzt Struensee (Mads Mikkelsen) glänzt mit attraktiven Menschen in schönen Kostümen, die sich in aufwändigen Kulissen bewegen. Vorhersehbarerweise wird diejenige Rolle ins Zentrum gestellt, die vom einzigen dänischen Schauspieler verkörpert wird: der Aufklärer Struensee; die Königin (immerhin auch im Titel genannt) sowie die eventuell interessantere Figur des Königs kommen dagegen recht kurz.

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Einfache Aussagen: Künstlich und entfremdet

Sinn der Sache soll es wohl sein, Struensee im Konfliktfeld zwischen seiner Loyalität zu Christian, den er braucht, die seiner Meinung nach notwendigen Reformen im Land durchzusetzen, den er aber menschlich nur bemitleidet, und der (erwiderten) Liebe zu dessen Frau der Königin zu zeigen. Ersteres ist anfangs szenenweise ganz gut umgesetzt, beispielsweise wenn Struensee Christian für seine Auftritte im konservativen Rat vorbereitet, wie für ein Hauprolle in einem Theaterstück – eine Taktik, mit der sie anfangs Erfolge feiern können.

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Ehrlich und bodenständig

Dies tritt jedoch schnell in den Hintergrund zu Gunsten der zahnlosen Romanze: Selten hat man eine emotional so beliebige Liebesgeschichte gesehen. Man könnte geradezu sagen: aufgesetzte. Am Ende wird diese „verbotene Liebe“ dann aber kausal mit dem Scheitern Struensees in politischen Dingen verknüpft. Wobei es sogar zu einer doppelten Deutung kommt: Einerseits ist die Affäre der Vorwand für Struensees Sturz, den die alten Mächte nutzen, andererseits aber eben doch tieferliegender Grund.

Ein bedeutungstechnischer Konflikt, der noch nicht einmal beabsichtigt zu sein scheint und entsprechend auch nie aufgelöst wird. In solche Überlegungen darf man sich wohl nicht vertiefen. Denn es gibt ja schließlich mehr und mehr schöne Leute in schönen Kleidern sowie eine Menge Tränen – das muss doch auch so berühren!

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