Venus im Pelz


Originaltitel:
La Vénus à la fourrure
Jahr:
2013
Eingetragen:
26.11.2013
Bearbeitet:
29.11.2013
IMDB-Wertung:
7,2/10

Roman Polanski ist dieses Jahr 80 geworden. Er braucht niemandem mehr etwas zu beweisen: Wie kaum ein anderer Regisseur hat seine Karriere kommerziellen Erfolg und höchste künstlerische Anerkennung vereint. Dass er sich niemals auf ein Genre hat festlegen lassen, in dem er mal Erfolg hatte, und das er dann bis zum bitteren Ende weiter hätte herunterkurbeln könnte, muss man ebenfalls respektieren. Er hat einen Stand erreicht, dass er eigentlich machen kann, was er will – die Kritik wird es feiern.

Was Polanski dem Publikum mit Venus im Pelz vorführt, könnte man durchaus als großen Stinkefinger in Richtung derjenigen Kritiker verstehen, die vor 20 Jahren über Bitter Moon herzogen. Von „Altherrenphantasie“ war damals die Rede. Nun eine Theaterproduktion zu inszenieren (Metaebene 1), in der der Regisseur eine Darstellerin zu dominantem Rollenverhalten bringen muss (Metaebene 2), in der die Grenzen zwischen den Beteiligten und ihren Rollen verschwimmen (Metaebene 3), diese einzigen beiden Rollen mit der eigenen Ehefrau und Hauptdarstellerin Bitter Moons (Emmanuelle Seigner) sowie einem Doppelgänger seiner Selbst (Mathieu Amalric; Metaebene 4), und diese beiden dann auch noch über verbreitete Vorurteile/Ansichten streiten zu lassen, wie viel der eigenen Persönlichkeit eines Autoren in „seinen“ Figuren steckt (Metaebene 5), funktioniert – ob nun beabsichtigt oder nicht – als Kommentar auf die Entstehung und Reaktion auf eben jenen älteren Film.

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Doch führt Venus im Pelz vor, dass auf diesen Metaebenen doch keine beliebiger Anspruch in der Aussage erreichbar ist. Bei den dargestellten Metaebenen bleibt es nämlich nicht; Polanski treibt es weiter und weiter; und wenn die Nummer mehr und mehr (im wahrsten Wortsinne) zur Travestieshow verkommt, zeigt das irgendwann nur noch völlige Beliebigkeit. Was man wiederum sogar als Feigheit interpretieren könnte: Da man sich im Rückblick bei wirklich Nichts mehr sicher sein kann, ob es nun ernst gemeint gewesen sein soll, machen sich Film und Regisseur praktisch immun gegen jegliche Kritik. Inwiefern? Ganz einfach: Kritiker, die ernsthaft die symbolischen Aussagen auseinandernehmen, setzen sich selbst des Risikos aus, einen leichtgewichtigen Spaß überzuinterpretieren (oder dies zumindest vorgeworfen zu bekommen).

Beliebigkeit läuft sich jedoch schnell tot. Trotz guter Inszenierung verliert die Geschichte damit ihr Moment, da sie sich eben nicht mehr in ihrer Intensität steigert. Zugegeben, das wird versucht, aber es beschränkt sich auf die zum Cliché verkommenen, altbekannten Versatzstücke. Es wird mit steigender Laufzeit nur noch das abgearbeitet, was man sich nach den ersten 15 Minuten bereits ausgemalt hat. Exakt so. Kein bisschen mehr (und, ja, auch kein bisschen weniger).

Bitter Moon hatte da mehr Mut: Was sichtbar ernst gemeint und sich an wirklichen menschlichen Tiefen versucht, anstatt sie nur aufs Äußerliche reduziert darzustellen, öffnet sich im schlimmsten Fall für Hohn und Spott. Selbst wenn dieser vielleicht teilweise sogar verdient war (mit Schrecken erinnert man sich an die Milchflasche…), ist das auf künstlerischer Ebene doch eine respektablere Arbeit – denn zumindest besteht dann der Versuch, höhere Sphären zu erreichen, als einfach nur amüsant zu unterhalten bzw. mit den Kritikern zu spielen.

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