Das lüsterne Quartett


Originaltitel:
The Lickerish Quartet
Jahr:
1970
Eingetragen:
26.11.2013
IMDB-Wertung:
6/10

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Film ab!
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Da steht man selbstverständlich drüber!
Die FSK zeigt sich gnädig: Der gestrige Skandal, laut Regisseur Radley Metzger 1970 so hart an der Grenze zu verbotener Pornographie, dass man alternative Versionen diverser Szenen drehte, um im Notfall den internationalen Zensoren entgegenkommen zu können, ist heute ab 16 freigegeben. Schockwirkung also gleich Null – gut, dass Herrn Metzgers Vermarktungskonzept nicht einzig und allein darauf fußte.

Die FSK betont andererseits immer wieder, ihre Freigaben seien nicht mit Altersempfehlungen gleichzusetzen. Dafür ist Das lüsterne Quartett wohl wirklich ein Paradebeispiel. 16-jährige, die dieses surreale Spiel um Identitäten, Rollenverständnis, sich verändernde Wahrnehmung, trügerische Erinnerungen, Vorausdeutung und Wunschprojektionen durchschauen, sind wohl leider nicht so zahlreich gesäht auf der Welt – völlig abgesehen von der Frage des Interesses. Wenn sich ein jüngerer Menschen in diesen Film verirren sollte, wird es höchstwahrscheinlich eben doch an dem Versprechen nackter Tatsachen liegen.

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Die Fantasien…
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…unterscheiden sich.
Die Geschichte beginnt gleich auf der Metaebene: Ein wohlhabendes Ehepaar (Frank Wolff und Erika Remberg) schaut sich gemeinsam mit seinem volljährigen Sohn (Paolo Turco) einen Pornofilm an. „Selbstverständlich“ nur, um sich gehörig darüber zu lustig zu machen. Noch am gleichen Abend gehen sie anschließend aus und glauben ihren Augen nicht zu trauen: Auf dem Jahrmarkt arbeitet eine junge Frau (Silvana Venturelli), die einfach eine der Darstellerinnen des Films sein muss.

Sie laden sie auf ihr Schloss ein, führen wieder den Film vor… doch dieser hat sich subtil verändert. Lange sind überhaupt keine Gesichter mehr zu sehen, dann scheint die entscheidende Rolle plötzlich anders besetzt zu sein. Haben sie sich wirklich alle dermaßen geirrt? Was bedeuten die kryptischen Anmerkungen des Gastes?

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Bald findet man sich vor dem Projektor…
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…und sogar mitten im Film wieder.
Was natürlich nur der Anfang des Zusammenbruchs dieser Erzählrealität ist. Nacheinander wird die Fremde zur Projektion der Wünsche, Sorgen und Nöte der drei, die sich, wie immer klarer wird, untereinander nicht mehr viel zu sagen haben. Wo die mysteriöse junge Frau dem Film entstiegen ist, tauchen die Schlossbewohner schließlich selbst in ihn ein. Und wo die Erzählung auf angenehm vager Ebene schwebt, wird sie mittels manchmal bedeutungsvoller, immer durchdachter Bildästetik unterstützt. Ob es der permanent in Primärfarben angestrahlte Filmprojektor, die sich verengenden oder öffnenden Perspektiven oder die Sonne, die zwischen den Bäumen selbst zum flackernden Projektor wird, ist.

So reich wie die Detailreich wie die Bilderflut kristallisiert sich schließlich auch die thematische Motivik heraus. Aus jedem der Einzelmotive sind zu ähnlicher Zeit sogar gleich ganze Filme gemacht worden: Der sich verändernde Film in Das Gesicht im Dunkeln oder der Eltern-Sohn-Konflikt in Sklaven ihrer Triebe – man fühlt sich in diesem dicht gedrängten „Best Of“ der Trendthemen der späten 60er/frühen 70er gut aufgehoben.

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