Dracula


Originaltitel:
Dracula
Jahr:
1979
Eingetragen:
29.11.2013
IMDB-Wertung:
6,5/10

John Badham rühmt sich heute damit, Dracula als erster als romantischisches Schauermärchen interpretiert zu haben. Vielleicht will er sich damit über den damaligen kommerziellen Flop hinwegtrösten. Haltbar ist die Behauptung trotzdem nicht; da hätte der verehrte Herr vielleicht mal einen Blick ins Kontinentaleuropäische Kino, spätestens seit den 60er Jahren, werfen sollen. Doch all das muss ja gar nichts über die Qualität aussagen.

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Bemerkenswert an der (wie üblich) stark zusammengekürzten Geschichte ist immerhin die Optik. Das dreckige, schrille, hektische Irrenhaus Dr. Sewards (Donald Pleasence), das in seinen wirren Treppen und Gängen im Chaos zu versinken scheint, steht im Kontrast zu den schwelgenden, bleischweren Aufnahmen der düsteren irischen Landschaften. In Sewards Haushalt (Kate Nelligan, Jan Francis und Trevor Eve) herrscht viktorianische Distanziertheit. Dracula (Frank Langella) erweckt da die eine oder andere bislang unterdrückte Bedierde.

So sind es logischerweise auch die Begegnungen Draculas mit den beiden jungen Frauen, denen sehr viel Raum eingeräumt wird. Badham gelingt es, diesen Szenen eine große Intimität zu geben. Wenn man sich über die Geschmackssicherheit der überstilisierten zentralen „Sexszene“ auch streiten kann. Da hilft es, dass ein gewisses stilistisches Gleichgewicht mit den im Verlauf immer mehr Raum einnehmenden reinen Horrorszenen doch noch gewahrt bleibt.

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Bei allem Schwelgen in der Bilderflut gelingt es aber trotzdem nicht, den Billigtraditionen des Genres ganz zu entfliehen: Von Zeit zu Zeit schleicht sich der eine oder andere üble Trickeffekt ein (die Fledermaus). Harker-Darsteller Eve bleibt völlig blass, insbesondere im Vergleich zum völlig übertreibenden Laurence Olivier als Van Helsing. Den darstellerischen Gegenpol dazu bilden Genreveteran Pleasence sowie – glücklicherweise – auch in den beiden wichtigsten Rollen Nelligan und Langella.

In allen Belangen muss man also sagen: Licht und Schatten in allen Belangen. Ein künstlerischer Anspruch ist diesem Dracula nicht abzusprechen. Ob diesem Erfolg beschieden ist, hängt sehr von der Stimmung der Zuschauer ab. Der starke Pathos kann schnell ins Lächerliche Umschlagen – wir befinden uns hier an der gefährlichen Grenze. Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt!

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