Color of Night


Originaltitel:
Color of Night
Jahr:
1994
Eingetragen:
30.01.2014
IMDB-Wertung:
5,2/10

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Es ist wirklich schade, dass Alfred Hitchcock 1994 nicht mehr am Leben war. Seine Ansicht war es immer gewesen, dass die Zuschauer jede Unwahrscheinlichkeit der Handlung akzeptieren könnten und würden. Zu gern hätte man ihn bezüglich dieser These im Falle von Color of Night befragt. Einem Film, dessen Handlung komplett darauf fußt, die Zuschauer glauben zu machen, dass gleich zwei Psychiater (Scott Bakula und Bruce Willis) sowie alle anderen Patienten einer Therapiegruppe nicht bemerken, dass einer Person unter ihnen identisch ist mit den jeweiligen mysteriösen jungen Frauen (Jane March), die wie durch ein Wunder vor kurzer Zeit aus dem völligen Nichts in ihr Leben gekommen ist, und ihnen nun jeden Wunsch von den Augen abliest.

Vielleicht war die Annahme ja, niemand würde Jane March ins Gesicht schauen bei der Menge der Nacktszenen, die sie zu absolvieren hat. Deshalb gab man sich wohl auch so wenig Mühe bei den Verkleidungen, bei denen insbesondere die Perücken ausnahmslos verdächtig wie Perücken aussehen. Jedoch anzunehmen, dass man das – selbst bei einer männlichen Zuschauerschaft – zwei Stunden lang aufrecht erhalten kann, während ansonsten leider nur sehr wenig passiert auf dem Bildschirm, kann man wirklich nur noch als sträfliche Unterschätzung egal welcher Zielgruppe bezeichnen.

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Beinahe noch absurder geht es jedoch noch unter der Oberfläche zu. Wenn man denn so will, geht es in diesem Film um Identität. Gleichzeitig gibt es einen Protagonisten, der sich das Leben eines gewaltsam zu Tode gekommenen Freundes und Kollegen praktisch komplett zu eigen macht. Er wohnt in dessen Haus, führt dessen berufliche Verpflichtungen weiter, legt sich sogar die gleiche Geliebte zu (womit wir wieder beim Thema wären…). Seine eigene Existenz lässt er praktisch komplett fallen. Wie kann man so etwas erzählen und dann überhaupt nicht reflektieren? Nur wären das dann Identitätsfragen, die etwas tiefer gingen, also die äußerlich sichtbaren Karnevalskostüme.

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Zu dem Elend passend ist die Hauptrolle mit einem Mann fürs Grobe besetzt. Unfreiwillige Komik macht sich so bereits in der ersten Szene breit, als Willis versucht, einen Schockzustand zu „spielen“. Ebenfalls die Flucht ins Overacting versucht Jane March, was der Bedeutung ihrer Rolle besonders schlecht zu Gesicht steht. Apropos Gesicht: Wie kam man bloß darauf, diese Rolle mit einer Schauspielerin mit dermaßen charakteristischer und damit leicht identifizierbarer Mundpartie zu besetzen? Fragen über Fragen, die wohl leider niemals geklärt werden können.

Was Hitchcock nun dazu gesagt hätte, wird ebenso ein ungeklärtes Rätsel bleiben. Hätte er den Film gesehen, hätte er sich dann sogar noch gefallen lassen müssen, dass die Schlussszene beinahe 1:1 seinem Vertigo entnommen ist – bis hin zu sinngemäßen Zitaten einiger Dialogzeilen. Nicht, dass das dann mangels sinnhaftem Kontext noch irgendetwas am Gesamteindruck ändern würde.

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