Eugenie De Sade


Originaltitel:
Eugénie
Alternativtitel:
De Sade 2000
Jahr:
1974
Eingetragen:
26.06.2014
IMDB-Wertung:
5,9/10

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Da haben sich zwei gefunden!
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Erst durch die kommunale Morderfahrung…
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…kommt es zu zügelloser Ekstase!
Es bestätigt sich mal wieder: Jess Franco war besser, wenn man ihm etwas Raum ließ. Seine De-Sade-Verfilmung Justine war noch ein mittleres Desaster gewesen, da stinklangweilig. Locker-motivische Adaptionen lagen ihm mehr – wie auch im Vergleich zwischen dem werkgetreuen, aber staubtrockenen Nachts, wenn Dracula erwacht und dem groovigen Vampyros Lesbos zu sehen. Gleiche Parallele greift auch bezüglich Justine und Eugenie.

Das ist einerseits der Verdienst der Hauptdarstellerin: Soledad Miranda gelingt es problemlos, in einer Szene jung, naiv und unschuldig zu wirken, dann ein unterschwelliges Brodeln subtil darzustellen und später wieder zügellose Leidenschaft wahlweise verknüpft mit Orgien der Brutalität oder auch Verzweiflung zu zeigen. Ihr Gegenüber ist Paul Muller, dessen Charakterkopf Franco immer wieder geschickt in Szene setzt: Intensive Nahaufnahmen beider Hauptpersonen bestimmen das Bild.

Überhaupt zeigt Franco bei der filmischen Ausgestaltung ein begabtes Händchen. Ob bei einer der erwähnten Nahaufnahmen Mirandas Augen plötzlich vollständig schwarz wirken, ein zentraler Dialog komplett in Silhouetten inszeniert wird (und so Mirandas ebenfalls zu sehendes Spiegelbild praktisch nicht mehr vom Original unterscheidbar ist) oder schiefe Kameraperspektiven den Blick auf die Mordszenen beherrschen: Es verstört mit voller Absicht und großer Effektivität!

Dass Darsteller und filmische Inszenierung weitgehend stimmen, ist allerdings auch notwendig, um über den einen oder anderen Stolperstein im Drehbuch hinwegzutäuschen. Die gesamte Geschichte rund um das mörderische Stiefvater-Tochter-Liebespaar steht spätestens nach folgendem Dialog auf wackligen Füßen (Stiefvater Muller hat Töchterchen Miranda vorher mit großen Mengen selbstgeschriebenem Inzest-Pornolesestoff versorgt):

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Filmisch einfache, aber wirkungsvolle Mittel:
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Intensivierung durch gezielte Abdunklung
Tochter: „Ich bin soooooo fasziniert davon! Ich will Sex mit dir!“

Vater: „Ja, ich habe einen Plan: Lass uns eine Frau ermorden!“

Tochter: „OK“

Hmm… Moment, wo kam der Gedankensprung jetzt bitte her? Na ja, ist ja auch „nur“ die Basis für alles Folgende. Da kann man schon mal etwas nachsichtig sein. Oder ist da eventuell ein Teil der vorhergehenden Lesung, die vielleicht die Verknüpfung herstellte, der Zensur zum Opfer gefallen? Oder sind es nicht ohnehin solche Dinge, die einen Franco-Film auch mit ausmachen? Abseits solcher klarer Fälle bewegt man sich inhaltlich auf dem schmalen Grat zwischen bedeutungsschwangeren Aussagen allerseits im positiven (überraschenden) und negativen (lächerlichen) Sinne. Um die in schwerer Stimmlage vorgetragenen Bekenntnisse der Charaktere ernstzunehmen, muss man schon in passender Stimmung sein.

Die stilistische Atmosphäre gibt diese Möglichkeit aber her. Und so muss man sich eben darauf einlassen, von Zeit zu Zeit mal ein Auge zudrücken und dann funktioniert es – und das moralistische Ende schlägt dann auch tatsächlich noch die Brücke zum Titel. Motivische Treue statt sklavischer Nachbildung einer gegebenen Szenenabfolge – das ist die Erfolgsformel!

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