Der Student von Prag


Originaltitel:
Der Student von Prag
Jahr:
1913
Eingetragen:
13.07.2014
IMDB-Wertung:
6,5/10

Vor 100 Jahren war es noch möglich, im Filmgeschäft etwas fundamental Neues zu machen. Manchmal konnte man sogar aus einem scheinbaren technischen Fehler eine ganze Handlung zu stricken. Der Student von Prag macht das Problem der Doppelbelichtung einer Filmrolle zur Tugend und „zaubert“ so Hauptdarsteller Paul Wegener in manchen Szenen doppelt auf die Leinwand. Für ein noch unerfahrenes Publikum sicher ein verstörender Effekt, der sich also bestens für ein Schauermärchen eignet.

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Wegener spielt Balduin, einen Studenten, den Geldsorgen plagen. Nicht nur deswegen träumt er von einer Hochzeit mit Komtesse Margit (Grete Berger). Doch trotz Balduins heldenhaften Einsatz, sie vor dem Ertrinken in knöcheltiefem Wasser zu retten, kommt das natürlich nicht in Frage: Ihr Vater (Lothar Körner) hat sie bereits standesgemäß ihrem Cousin (Fritz Weidemann) versprochen.

Da kommt das Angebot des verschlagenen Scapinelli (John Gottowt) gerade recht: Gegen das Versprechen, einen beliebigen Gegenstand aus Balduins Studentenbude mitnehmen zu dürfen, ist er bereit, dem praktisch Mittellosen 100000 Gulden zu zahlen. Balduin schlägt ein, denkt er doch nicht, irgendetwas von annähernd diesem Wert zu besitzen. Womit er nicht gerechnet hat: Scapinelli schnappt sich sein Spiegelbild! Und fortan taucht dieser Doppelgänger nun immer wieder in den unpassendsten Situationen auf – beispielsweise beim so heißersehnten Stelldichein mit Margit. Durch immer autonomeres Handeln bringt er Balduin schließlich so sehr in Verruf, dass nur noch die verzweifelte direkte Konfrontation bleibt. Doch wie sein eigenes Spiegelbild zerstören?

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Vom Faust'schen Pakt bis zu Jekyll & Hyde befinden wir uns also im Bereich des zeittypischen Moralismus. Was soweit in Ordnung wäre, wäre da nur nicht dieses Klassen- und Ständedenken, das permanent mitschwingt. Denn – beabsichtigt oder nicht – man kann den Studenten von Prag als Warnung verstehen, es am besten gar nicht zu versuchen, in relativ gesehen höhere Kreise vorzudringen. Auch wenn andere Lesarten möglich und möglicherweise auch intendiert sind, bleibt der unschöne Beigeschmack des uneindeutig Unangenehmen.

Bezüglich der Inszenierung kann man dagegen kaum meckern. Die Trickeffekte, d.h. insbesondere die Dopplung Wegeners und die selektiven Spiegelreflektionen, sind gut gelungen und effektiv. Die Nutzung des bildlichem Vorder- und Hintergrund als voneinander unabhängige und doch aufeinander wirkende Handlungsebenen ist (für die Zeit) geradezu bahnbrechend. Ebenso ist die Szenenabfolge dramaturgisch durchdacht und ihr Inhalt adäquat bedeutungsschwanger; beispielsweise, wenn Balduin in ein Kartenspiel gegen sein Spiegelbild verwickelt wird. Schade aus heutiger Sicht nur, dass mit Wegener ein Hauptdarsteller dabei ist, dessen Schauspieltechnik für Bösewichte/Monster sich darauf beschränkte, eine starre Fratze, die im wesentlichen aus aufgerissenen Augen und gefletschten Zähnen besteht, zu ziehen.

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