Der Golem, wie er in die Welt kam


Originaltitel:
Der Golem, wie er in die Welt kam
Jahr:
1920
Eingetragen:
29.07.2014
IMDB-Wertung:
7,2/10

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Ein Gesandter von höchster Stelle…
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löst genaue Planung…
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…und einige Konstruktionsarbeit aus.
Die frühe Neuzeit… das jüdische Ghetto Prags ist eine in sich abgeschottete Welt. Rabbi Löw (Albert Steinrück) erkennt an der Konstellation der Sterne, das seinem Volk Unheil droht. Gleichzeitig stehen die Sterne jedoch günstig für die Erweckung des Golems (der ausgestopfte Paul Wegener), einer magisch zum Leben erweckten Lehmkreatur, die die Juden schützen soll. Löw und seinen Kollegen gelingt das mystische Ritual und der superstarke Golem wird erstmal für einfache, körperliche Arbeiten eingesetzt.

Tatsächlich bewahrheitet sich die erste Befürchtung: Ritter Florian (Lothar Müthel) überbringt ein kaiserliches Dekret, nach dem die Juden selbst ihr Ghetto verlassen sollen. Löw will Zeit gewinnen und legt seiner Tochter Miriam (Lyda Salmonova) nahe, Florian ein bisschen schöne Augen zu machen. Währenddessen bemüht er selbst sich um eine Audienz beim Kaiser.

Die bekommt er, und nach einer großen Zurschaustellung kultureller Ignoranz und einer Beinahekatastrophe, die immerhin durch den Golem abgewendet werden kann, steht der Hofstaat in Löws Schuld. Die Ausweisung der Juden ist damit abgesagt. Doch die Legende des Golem hat auch noch eine dunkle Seite: Bei veränderter Sternenkonstellation solle er sich gegen seine Herren wenden, Tod und Verderben bringen – erste Zeichen des bösartigen Widerstands sind bereits vorhanden…

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Mit Hilfe etwas zusätzlicher Magie…
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…gelingt das Experiment!
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Doch ist die Kreatur gut oder böse?
Mag die Geschichte auch grundlegend noch so simpel sein, so gibt es doch ein paar erwähnenswerte Details, die die Sache viel weniger holzschnittartig erscheinen lassen, als zunächst angenommen. So die Charakterisierung der oberflächlichen Höflinge, die auf willkürlicher Basis große Macht ausüben, ohne überhaupt Interesse an den betroffenen Menschen zu entwickeln. Wobei andererseits die ach so schlimm unterdrückten Juden zumindest auf menschlicher Ebene ähnliche Schwächen haben, wie beispielsweise in der schicksalshaften Verquickung zu sehen, erst Miriam zu benutzen Florian abzulenken, aber als das dann zu ernst wird, ist es plötzlich von den älteren Herren gar nicht mehr gerne gesehen.

Stilistisch beginnt man langsam, sich von den im vorigen Jahrzehnt üblichen, statischen Szenen zu lösen – es gibt auch mal ein paar Schnitte und Nahaufnahmen. Letztere insbesondere auf Wegener, dessen übliche übertriebene Fratzen zur Abwechslung in dieser Rolle sogar mal passen. Richtig spannend wird es jedoch erst bei der im Sinne des Expressionismus künstlichen Architektur des „Ghetto“. Doch das alles befindet sich im Vergleich dazu, was in den folgenden Jahren noch passieren sollte, in den Kinderschuhen.

Filmhistorisch befindet man sich also in einer stilistischen Übergangsphase, thematisch und inhaltlich jedoch immer noch am Anfang. Die Szenen, die heute intuitiv ins Fantasy- oder Horrorgenre eingeordnet würden, waren damals noch originell – desto interessanter, hier den Beleg zu finden, dass einige erst Jahrzehnte später noch gefeierte Ideen gar nicht mehr so neu waren. So lassen sich gleich eine ganze Reihe Parallenen zu gewissen Frankenstein-Verfilmungen herstellen; von der tragischen Charakterisierung des Charakters bis hin zu seiner Begegnung mit einem Kind, das sich der von ihm ausgehenden Gefahr gar nicht bewusst ist. James Whale wird den Golem wohl gekannt haben.

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