Das Kabinett des Dr. Caligari


Originaltitel:
Das Kabinett des Dr. Caligari
Jahr:
1920
Eingetragen:
29.07.2014
IMDB-Wertung:
8,1/10


Du musst Caligari werden…

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Bilder des Wahnsinns und des Horrors – Caligari kommt einem bildgewordenen Fiebertraum näher als alles zuvor und das meiste danach entstandene! Vor verzerrt-zweidimensionalen Kulissen spielt sich ein Drama ab, das immer noch und noch eine weitere Wendung bereit hält. Es ist das Drama des Dr. Caligari (Werner Krauss), der den Schlafwandler Cesare (Conrad Veidt) als Jahrmarktsattraktion zur Schau stellt, und ihn vor Publikum düstere Prognosen über die Zukunft raunen lässt, die dann auch immer eintreten – da letzterer sie selbst zur Wahrheit macht.

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Krauss und Veidt, beide ohnehin Charakterköpfe, werden inszenatorisch bestens in Szene gesetzt. Krauss' ausgeprägte Gesichtsfurchen werden durch kontrastreiche Schattenwürfe so verstärkt, dass seine gezielt eingesetzten Fratzen noch bedrohlicher wirken. Veidt schminkt man gleich solche ausgeprägten, aber sichtbar künstlichen Tränensäcke, dass sein Gesicht völlig absurd wirkt. Und auch sein Talent für Bewegungen wird ausgespielt, wenn er, mal als Schatten, mal direkt aufgenommen, beispielsweise nachts durch die Stadt schleicht.

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Die zentralen Bilder wirken verstörend, entziehen dem Zuschauer seine sichere Basis, gewähren ihm keinen stabilen Referenzpunkt. Selbst an der Zuverlässigkeit der scheinbaren Identifikationsfigur (Friedrich Feher), deren Welt Stück für Stück zusammenbricht, kommen immer mehr Zweifel auf. Erzähltechnik und filmischer Stil stellen sich in den direkten Dienst des Inhalts, ergänzen diesen. Mögen Technik und Stil nach heutigen Maßstäben noch so theatralisch überzogen wirken, so verfehlen sie ihre Wirkung vielfach doch nicht. Ob die Stilisierung ein bisschen zu weit geht – gut, darüber kann man diskutieren. Doch dass es sich überhaupt lohnt, diese Diskussion zu führen, ist an sich bereits der schlagende Beleg, dass es sich hier um echte Filmkunst handelt!

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