The Cabinet of Dr. Caligari


Originaltitel:
The Cabinet of Dr. Caligari
Jahr:
2005
Eingetragen:
29.07.2014
Bearbeitet:
07.01.2015
IMDB-Wertung:
5,8/10

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Der harmloseste Schattenangriff der Filmgeschichte
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Schwache Computereffekte verderben den Spaß
Remakes sind ja nichts Besonderes. Einen 85 Jahre alten Film neu zu drehen ist allerdings nicht so gewöhnlich. Insbesondere, wenn es Konzept ist, seine eigenen Darsteller per Computer vor die alten Kulissen zu montieren, sie also praktisch vor dem Hintergrund des Originalfilms agieren zu lassen. Das Kabinett des Dr. Caligari lebte bereits im Original von starker Stilisierung, insofern sieht das auf dem Papier erstmal nach einem tragfähigen Konzept aus.

So werden die Einstellungen des Originals erstmal beinahe 1:1 nachvollzogen. Die Darsteller sind in dicke Stummfilmschminke getüncht. Die Bildqualität… na ja. Das „moderne“ Schwarz-Weiß ist dann doch um einiges weicher, auf die wirkungs- und bedeutungsvollen Kontraste muss man also schonmal verzichten. Und dann hat man eben Dialoge dazugeschrieben. Jene sind jedoch gleich auf zweierlei Weise ein völliger Griff ins Klo.

Erstens, und das ist vielleicht noch nicht mal so schlimm, zeigen sie primär, wie gut die visuelle Erzählung des Originals konzipiert war. Ständig bekommt man redundante und damit völlig unnötige Dinge erzählt, die man ohnehin bereits gesehen hat oder gerade sieht. Dialoge oder sogar Off-Erzählungen können ja eine filmische Erzählung intelligent komplementieren, indem sie den Zuschauern beispielsweise zusätzliche oder kontrastierende Informationen zugänglich machen. Dieser Versuch findet hier nicht statt: Man bekommt erzählt, was ohnehin klar ist.

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Dazu kommt prätentiöser Dünnschiss
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Da kann ein einzelner auch nichts ausrichten
Und, zweitens, das auf eine sprachliche Art und Weise, die vorsichtig ausgedrückt nicht gerade von kulturellem Bewusstsein strotzt. US-amerikanischer Slang, dicke Akzente (man übertrumpft sich gegenseitig beim weichen „t“), Kompetenz- und Hierarchiemodelle wie aus US-Soaps oder -Krimiserien schlagen einem an Stelle des deutschen Kaiserreichsmuffs entgegen. Obwohl die Geschichte sich zeitlich und örtlich immer noch in letzterem ansiedelt. Was aber natürlich nicht verhindert, dass eine Rolle politisch korrekt mit einem Quotenschwarzen besetzt und eine (im übrigen völlig überhöhte) Gebühr in „Dollar“ bezahlt wird.

Weitgehend agieren die Darsteller dementsprechend. Insbesondere der Hauptdarsteller (Judson Pearce Morgan) weist eine kaum erträgliche Milchgesichtmimik auf. Sein generischer Love-Interest (Lauren Birkell) ist nicht viel besser. Cesare (Doug Jones) fehlt die Geschmeidigkeit des Vorbilds, so dass zentrale Szenen – ergänzt durch sichtbare Schranken der Projektionstechnik auf die alten Hintergründe – eher unfreiwillig komisch wirken. Als einsamer Lichtblick bleibt Caligari-Darsteller Daamen J. Krall, der sowohl optisch, als auch stimmlich mehrere Stufen über dem Rest agiert.

Eine identische Neuverfilmung wäre sinnlos gewesen. Durch die Tonspur wird der Film wie dargestellt nicht sinnvoll ergänzt. Eigene Akzente kann man an einer Hand abzählen, und sie sind allesamt bedeutungslos, reine Makulatur. Im Gegensatz zum Original ist der (versuchte) Stil reiner Selbstzweck. Inbegriff: die farbige Blume. Wer ernsthaft Überkitsch wie Schindlers Liste als künstlerisch nachzuahmendes Vorbild sieht, der sollte sich lieber nicht an derartigen wegweisenden Klassikern der Filmgeschichte versuchen!

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