Orlacs Hände


Originaltitel:
Mad Love
Jahr:
1935
Eingetragen:
21.08.2014
Bearbeitet:
09.01.2015
IMDB-Wertung:
7,3/10

Orlacs Hände jetzt mit Ton! Doch das ist nicht mal die fundamentalste Änderung gegenüber der ersten Verfilmung: Zwar gibt es weiterhin einen Pianisten (Colin Clive), der seine Hände verliert, und stattdessen die eines Mörders (Edward Brophy) transplantiert bekommt, die daraufhin ein mörderisches Eigenleben zu entwickeln scheinen, doch die Hauptperson ist er nicht mehr. Stattdessen steht sein behandelnder Chirurg, Dr. Gogol (Peter Lorre), im Zentrum der Erzählung.

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Mörderhände?
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Künstlerhände?

Wie funktioniert das? Gogol wird gleich eingangs, vor Orlacs Unfall, als abgründige Persönlichkeit mit Faszination fürs Morbide charakterisiert. Jeden Abend besucht er die Vorstellung eines beinahe pornographischen Theaterstücks, dessen Hauptdarstellerin (Frances Drake) in der klimaktischen Endszene brutal gefoltert wird. Jene Hauptdarstellerin, die Projektionsfläche Gogols Obsessionen, ist die Ehefrau Orlacs, und nur ihr zu Liebe führte er die Operation überhaupt durch.

Gogol will Yvonne immer noch für sich, doch die hat mittlerweile eher Angst vor ihm. Orlacs Geisteszustand verschlechtert sich im Einklang mit seiner finanziellen Lage zusehends. Und so erkennt der geniale Arzt seine Gelegenheit, seinen Traum doch noch zu verwirklichen, auch wenn der Pfad dorthin leicht abseits des hyppokratischen Eides führt.

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Wohltäter?
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Attentäter?

Ob man die reichlich melodramatischen Monologe des Doktors wirklich gebraucht hätte, sei mal dahingestellt. Als ob die zugrundeliegende Geschichte des Pianisten nicht bereits dramatisch genug gewesen wäre! Doch zugutehalten muss man den Beteiligten den großen Mut, die Figur Lorres dann auch wirklich konsequent zu gestalten: sein Starren bei dem ohnehin bereits befremdlichen Theaterstück, seine ungebändigte Grapscherei bei der Party, was er mit der Wachspuppe anstellt – und trotz dieser persönlichen Abgründe ist und bleibt er über weite Strecken des Filmes insofern ein positiver Charakter, das er selbstlos hilft, wenn er gebraucht wird. Bis er dann eben diese Selbstlosigkeit in völliger Verzweiflung aufgibt.

Soll heißen, anstatt Orlacs am Rand des Wahnsinns zu zeigen, wandelt nun Gogol auf diesem schmalen Grat. Thematisch ist diese Verfilmung damit immer noch überraschend werkgetreu und eine originelle Variation, die auch filmisch ebenso wirkungsvoll ausgestaltet ist (bspw. wenn Orgeltasten bei Szenenüberblendung zu Bahnschwellen werden). Sehr sehenswert!

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