Die Todesgöttin des Liebescamps

Poster
Originaltitel:
Die Todesgöttin des Liebescamps
Jahr:
1981
Eingetragen:
22.02.2017
IMDB-Wertung:
3,7/10
TMDB-Wertung:
4,2/10


Hannes schreibt:

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Viele der Schlagersänger der 60er und 70er Jahre haben später, nach Ende ihres kurzen Erfolges, irgendwie trotzdem noch ihre mediale Nische gefunden. Roberto Blanco trieb sich mehrere Jahrzehnte im Publikum von im Fernsehen übertragenen Tennisspielen herum. Und Christian Anders kennt man halt als diesen durchgeknallten Verschwörungstheoretiker und Sektenheini.

Um 1980 herum versuchte er sich tatsächlich als Filmstar. Für Die Todesgöttin des Liebescamps übernahm er Drehbuch, Produktion, Musikkomposition wie auch Umsetzung und dann natürlich die Regie und besetzte sich auch noch selber in der Hauptrolle… als Guru einer „Liebessekte“. Puh, man muss wohl davon ausgehen, dass es Herrn Anders wohl wirklich eine Herzensangelegenheit war.

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Anders „spielt“ Dorian. Am griechischen Strand hält er seine Bergpredigt von Liebe und Frieden. Der Weltuntergang stehe kurz bevor, es sei die letzte Gelegenheit, seine Seele zu reinigen. Selbstinszenierung als Erlöserfigur?

Nein, schon einen Schlager später dreht sich seine Rolle um 180°: Tatsächlich ist Dorians Rolle in der „Liebessekte“ (Selbstbezeichnung) die Rekrutierung junger Frauen (mit seinem unwiderstehlichen Hündchencharme), die dann zwecks Finanzierung des Camps an zahlende Nicht-Jünger vermietet werden (denn alle Insider müssen sich im Sinne freier Liebe ja eh gegenseitig jederzeit zur Verfügung stehen).

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Ist Dorian also ein überzeugter Erlöser, ein prügelnder Zuhälter oder doch selbst nur ein armes Opfer „der Göttlichen“ (Laura Gemser), der eigentlichen Chefin der Organisation, die auf ihrer Jacht haust? Dem Drehbuchautoren Anders gelingt es zu keiner Zeit, diesen Konflikt im Sinne einer Charakterbetrachtung oder -entwicklung aufzulösen. Und dem Darsteller Anders gelingt es ebensowenig, einen solchen inneren Konflikt überzeugend zu spielen: Seine Spannbreite reicht gerade mal vom dümmlichen Kulleraugenblick zum verkniffenen „harten Typen“, was beides Fremdschämen auslöst.

Die unfreiwillige Komik bleibt leider permanent der prägende Eindruck. Ob es nun die peinlichen Sing- und Tanznummern sind, das Gerichtsverfahren und die folgende Auspeitschung des monogamen Liebespaares (Sünde!), der lächerliche Konflikt rund um die Senatorentochter (Simone Brahmann) oder natürlich der ölige Muskelmann „Tanga“ (Sascha Borysenko), dessen Auftritte immer neue Tiefpunkte versprechen (von der Entjungferung bis zum finalen Konfrontation mit dem „goldenen“ Sperrholzschwert, in der auch Anders sein Kung-Fu-Wissen auspacken darf).

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Das ist also alles sehr unterhaltsam, aber keinesfalls auf der Ebene, wie Anders es wohl haben wollte. Spannung? Völlige Fehlanzeige. Drama? Menschlich absolut unglaubwürdig. Komik? Peinlich, peinlich (die beiden schwulen Männer!). Sexy? Viel Nacktheit und höchst exploitative Kameraeinstellungen erfüllen dieses Ziel nicht automatisch.

Man könnte beinahe Mitleid mit Anders haben, da es sich hiermit so offensichtlich verhoben hat. Wie gesagt, der ernsthafte Selbstanspruch ist sichtbar. Ob man nun Mitleid oder doch Schadenfreude empfindet, liegt zu nicht unbedeutendem Teil an der persönlichen Rezeption der Person Christian Anders.

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