Interstellar

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Originaltitel:
Interstellar
Jahr:
2014
Eingetragen:
29.11.2020
IMDB-Wertung:
8,6/10
TMDB-Wertung:
8,3/10


Hannes schreibt:

Man muss als derart Interessierter ja froh sein, wenn überhaupt mal ein echter Science-Fiction-Film (und dann auch noch mit ernstzunehmendem Budget) herauskommt. Also nicht nur ein Abenteuer-Fantasyfilm mit Raumschiffen und Laserpistolen (soll heißen Krieg der Sterne). Dass Christopher Nolan die Regie übernommen hat, muss man mit all seinen Vor- und Nachteilen erstmal hinnehmen. Im Vergleich zur Alternative, dem zuvor mit dem Projekt in Verbindung gebrachten Steven Spielberg, auf jeden Fall die bessere Wahl, denn die Geschichte mäandert immer hart um die Sentimentalitätsgrenze herum (das Zelebrieren des Hinterwäldlertums usw.), was bei Spielberg garantiert weit jenseits der Schmerztoleranz übersteigert worden wäre.

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Nun handelt es sich bei Interstellar um eine Utopie. Solche Stoffe haben es generell schwer Spannung aufzubauen (siehe beispielsweise Was kommen wird) und so gibt sich dieser Film als Dystopie, in der menschliches Leben auf der Erde bald unmöglich zu werden droht. Während die tonangebenden Teile der Gesellschaft einfach an Besserung von selber glaubt, liegt die eigentliche Hoffnung auf den letzten aktiven NASA-Wissenschaftlern (u.A. Michael Caine und Anne Hathaway), die mit beschränkten Mitteln eine Raumexpedition vorbereiten, von der sie sich essentielle Daten zur Lösung der Naturkrise und als Plan B die Kolonisierung eines anderen Planeten erhoffen. Nur ein zupackender amerikanischer Held fehlt ihnen noch. Wie es der Zufall so will, bestellt ein ehemaliger Astronaut (Matthew McConaughey) eine nahegelegene Farm. Für diese Gelegenheit lässt er sogar Sohn (Timothée Chalamet) und Tochter (Mackenzie Foy) zurück. Oder war es gar kein Zufall?

Mit den Visionen fremder Planeten, von der NASA als Kandidaten für menschliches Überleben identifiziert, aber jeweils fundamental unterschiedlich als die Erde, kann Interstellar punkten. Ebenso gelingt der Spagat, pseudowissenschaftliche Erklärungen kosmischer Phänomene (von Zeitdilatation bis zum schwarzen Loch) nicht trivial, aber trotzdem noch ansatzweise nachvollziehbar darzustellen. Eine weitere positive Überraschung stellt die physische Darstellung eines Raumes von mehr als drei Dimensionen dar. Dem großen Produktionsaufwand zum Trotz muss man gegen Ende jedoch einsehen, dass die große Überraschung am Ende nichts anderes ist, als man von 50er-Jahre-Genrekurzgeschichten kennt. Nur hier eben auf beinahe drei Stunden ausgedehnt.

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Dazu zerren einige Kleinigkeiten an den Zuschauernerven. Immanent nicht nachvollziehbar, was einige Figuren überhaupt sollen. So beispielsweise der Sohn des Protagonisten, der wohl irgendwie seine ebenfalls wissenschaftlich interessierte Schwester spiegeln soll, jedoch hat das Drehbuch an ihm selbst derart wenig Interesse, dass er nach wenigen Szenen sang- und klanglos aus der Handlung verschwindet und selbst im großen Kitschfinale weder auftaucht, noch überhaupt nochmal erwähnt wird. Extrinsisch stört die Besetzung Matt Damons als vereinsamter quasi-Marsianer. Solche Meta-Scherze stehen dem ansonsten völlig ernsthaften Plot überhaupt nicht gut zu Gesicht. Ebenso wie die Befolgung des ungeschriebenen Genre-Gesetzes, dass ein „witziger“ Roboter jede Raummission begleiten muss.

Am Ende bleibt, wenn man die tollen Bilder verdaut hat, wie so oft bei Nolan, nicht allzu viel zurück. Die eigentlich interessanteste Figur bleibt die Caines. Die Tragik des Professors, der wirklich alle um sich herum permanent belügt, der sich selbst unfähig vorgibt, obwohl er die mathematischen Gleichungen längst gelöst hat, nur um ihnen die Hoffnung nicht zu nehmen, wird leider in wenigen Sätzen am Rande des ansonsten großen Spektakels abgehandelt. Aber immerhin stecken solche Charaktere überhaupt drin. Damit muss man sich wohl zufrieden geben.

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