Inception

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Originaltitel:
Inception
Jahr:
2010
Eingetragen:
29.11.2020
IMDB-Wertung:
8,8/10
TMDB-Wertung:
8,3/10


Hannes schreibt:

Wie nähert man sich einem mit derart großen Vorschusslorbeeren belasteten Film? Wer erinnert sich noch an Dreamscape? Wenige. Wer ist der Meinung, jener Film brauchte dringend ein Remake? Wahrscheinlich noch weniger. Wobei der Autor dieser Zeilen letztere Frage durchaus bejahen würde. Nicht im Sinne eines technischen Remakes, also dem reinen Nachfilmen des gleichen Drehbuchs mit moderneren Mitteln, aber eine thematische Neuinterpretation wäre ein durchaus charmanter Gedanke. Vor diesem erklärten Hintergrund ist Inception höchstwahrscheinlich nicht entstanden, aber trotzdem könnte der Film diese Funktion erfüllen.

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Leonardo DiCaprio gibt Cobb, einen Spezialisten für das Einsteigen in Gedanken und Träume fremder Leute. Vordergründig handelt der Plot von Industriespionage und andere zweifelhafte wirtschaftliche Macht- und Geldspielchen. Doch der Subtext ist natürlich: Was macht es mit diesem Menschen, sich immer wieder in andere Leute zu versetzen, ihre geheimsten Geheimnisse zu kennen und eventuell sogar über die Macht zu verfügen, eben jene Gedanken, Wünsche und Pläne zu ändern? DiCaprio macht – ganz im Sinne des Drehbuchs – den Protagonisten also zu einer tragischen Figur, die an Verantwortung und Selbstzweifeln zu zerbrechen droht und steigende Probleme damit hat, zwischen Realität und den Traumwelten zu unterscheiden. Oder auch schließlich gar nicht mehr sicher ist, ob nicht das endgültige Eintauchen und Verweilen in einer Traumwelt der Realität sogar vorzuziehen ist. Ein Thema, das in der Schlussszene zu einem höchst befriedigenden Ende gebracht wird.

Jene Traumwelten sind visuell mit so eindrucksvollen Schauwerten gestaltet, wie man es von einer Hollywood-Megaproduktion, erwartet. Riesige Bauten, in denen sich Menschen verlieren, dann wieder ein bedrohliches Gedränge, Schneewüsten voller Action… es bleibt abwechslungsreich und kurzweilig. Der treibende Plot lässt keine Langeweile aufkommen.

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Zumindest bis man erkennt, welch geringe Relevanz das meiste davon letztendlich hat. Der Plot sogar genau das Gegenteil von treibend ist. Die tollen Bilder könnten beinahe darüber hinwegtäuschen, doch spätestens beim zweiten Ansehen muss man feststellen, dass Regisseur Nolan in sein übliches, höchst problematisches Schema verfällt: Alles muss haarklein erklärt werden; selbst die Dinge, die ohnehin klar sind, oder gar keiner Erklärung bedürfen. Die effektive Handlung nimmt vielleicht ein Viertel der Laufzeit ein. Der Rest ist schöner Schein und endlose Exposition.

Insofern ein Film, den man am besten wirklich nur einmal genießt – denn das ist ohne Weiteres möglich – und dann bloß nicht wieder anfasst. Denn trotz einiger schöner thematischer Ansätze und filmischer Kniffe bleibt Inception eben doch mehr Schein als Sein.

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