Der Turm der schreienden Frauen

Poster
Originaltitel:
Tormented
Jahr:
1960
Eingetragen:
30.12.2013
IMDB-Wertung:
4,6/10
TMDB-Wertung:
4,9/10


Hannes schreibt:

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Die rettende Hand kommt nicht
Tom (Richard Carlson) könnte eigentlich glücklich in sein neues Leben starten: Der Jazzpianist wird in ein paar Tagen seine reizende Freundin Meg (Lugene Sanders) heiraten und der Schwiegervater in spe (Harry Fleer) ist wohlhabend. Wäre da nicht Exfreundin Vi (Juli Reding), die Besitzansprüche anmeldet. Als sie sich ein letztes Mal mit Tom auf einem baufälligen Leuchtturm trifft, endet das für sie tödlich: Das Geländer bricht und sie stürzt zu Tode. Völlig ohne aktive Nachhilfe Toms, jedoch könnte man ihm sehr wohl unterlassene Hilfeleistung vorwerfen.

Genau das lässt ihn (er hat den Unfall geheim gehalten) dann auch nicht los. Vis Geist (oder eben sein schlechtes Gewissen) verfolgt ihn: Eine Schallplatte spielt von alleine, der Ehering, den Tom für Meg gekauft hat, verschwindet, Megs Hochzeitskleid wird mit Seetang verunstaltet und Vi taucht immer wieder in Toms Alpträumen auf. Zu allem Überfluss taucht dann auch noch ein Erpresser (Joe Turkel) auf, der von Vis Fahrt zu Tom weiß.

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Dafür muss Tom büßen
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Zurück am Tatort, wieder in weiblicher Begleitung
Alles recht subtil geraten für das sonst übliche Niveaus des Regisseurs Bert I. Gordons. Anstatt riesenhafter Monster inszeniert er einen Geisterfilm, dessen übernatürliche Phänomene zwar in ihrer Häufung auffällig, aber prinzipiell alle erklärbar sind. Manche, wie das Auftauchen einer Geisterhand oder von Vis Gesicht auf einem Foto, werden von anderen Charakteren gar nicht wahrgenommen, finden also deutlich nur in Toms Kopf statt. Ihr Körper, den er aus dem Meer zu ziehen geglaubt hat, stellt sich als etwas ganz anderes heraus; ebenso ihr herumfliegender Kopf, den er in seiner Verzweiflung in ein Tuch wickelte, um ihn zur Ruhe zu bringen. Ja, alles erklärbar, wäre da nicht die eiskalt servierte Einstellung auf den wiederaufgetauchten Ehering ganz am Ende, der die Ambivalenz perfekt macht.

Durchaus gelungen ist auch der Weg dorthin. Spannung wird dadurch aufgebaut, dass Tom trotz seiner Schuld weiterhin sympathisch bleibt, während sein Opfer Vi in ihrer einzigen „lebendigen“ Szene gleich als fiese Antagonistin charakterisiert wurde. So ist gerade die Endszene, die wieder im Leuchtturm stattfindet, ziemlich spannend: Megs kleine Schwester (Susan Gordon), die viel mehr vorgekommen ist, als die eigentliche Braut, hat die Wahrheit herausbekommen und befindet sich in einem kindlichen Gewissenskonflikt zwischen ihrer Freundschaft mit Tom und ihrem Wissen über „Gut“ und „Böse“ – was sie aber in ihrer Naivität Tom gegenüber alles ausbreitet. Was ihn wiederum zu einer verzweifelten letzten Handlung bringen könnte. Echt nicht schlecht!

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